Berlin : Berlin schweigt für die Opfer der Mauer

50 Jahre nach der Teilung gedenkt die Stadt Auch Wowereit fordert zum stillen Erinnern auf

Christoph Spangenberg

Berlin soll den Opfern der Teilung am 50. Jahrestag des Mauerbaus mit einer Minute des stillen Gedenkens die Ehre erweisen. Dazu hat am Donnerstag auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) aufgerufen. Um 12 Uhr soll die Stadt für einen Moment innehalten, nur die Glocken der Kirchen sollen läuten, um an die 136 Todesopfer der Teilung zu erinnern. „Mit der Schweigeminute kann man ein Zeichen setzen für Demokratie und Freiheit und der Opfer der Diktatur gedenken“, sagte Wowereit. „Gerade in einer Zeit, in der die ostdeutsche Diktatur von manchen verharmlost wird, muss ein Zeichen gegen Verdrängen und Vergessen gesetzt werden.“ Die DDR sei ein Unrechtsstaat gewesen.

In Potsdam riefen Landtagspräsident Gunter Fritsch und Oberbürgermeister Jann Jakobs (beide SPD) dazu auf, sich zu beteiligen. Bei der offiziellen Gedenkveranstaltung an der Bernauer Straße wollen auch Bundespräsident Christian Wulff, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Kanzlerin Angela Merkel (alle CDU) für die Opfer innehalten. Unterstützung kommt auch von Renate Künast (Bündnis 90/Grüne): „Die Opfer des Mauerbaus mahnen uns, jeden Angriff auf unsere Freiheit und auf die Menschenrechte abzuwehren.“

Die Schweigeminute ist eine gemeinsame Initiative der Stiftung Gedenkstätte Berliner Mauer und des Tagesspiegels unter dem Motto „Berlin steht still“. Angeknüpft wird damit an ein historisches Vorbild: Am Tag nach dem Mauerbau, damals ein Sonntag, hatten die West-Berliner Gewerkschaften zu einer Arbeitsruhe von 14 bis 14.15 Uhr aufgerufen. Im Jahr darauf, am 13. August 1962, war es dann der Senat, der zu einer dreiminütigen Verkehrs- und Arbeitsruhe aufgefordert hatte. An der Bernauer Straße kam es zu Steinwürfen, Sprechchören und Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Die Schweigeminute am Sonnabend unterstützen Politiker, Prominente und Unternehmen. So findet es die Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses Karin Seidel-Kalmutzki wichtig, dass „wir uns auch nach 50 Jahren an Schießbefehl, Mauer und Stacheldraht erinnern“. S-Bahn und BVG wollen Bahnen und Busse halten lassen, in der Reichstagskuppel soll geschwiegen werden, die Berliner Bäderbetriebe wollen die Gäste per Durchsage zum stillen Gedenken auffordern. Wer die Schweigeminute in Gemeinschaft erleben möchte, kann dies in der Bernauer Straße tun. Auch am Checkpoint Charlie soll Ruhe einkehren, dazu will das Mauermuseum aufrufen. „Wir dürfen nie vergessen, was diese Grenze verursacht hat“, sagte deren Chefin Alexandra Hildebrandt. Wie viele andere Kirchen lädt die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zur Schweigeminute ein. „Die Mauer war ein tiefer Einschnitt. Auch 20 Jahre nach dem Fall ist es wichtig zu gedenken“, sagte Pfarrer Martin Germer.

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