Berlin : Berlin soll glänzen

BSR will Ein-Euro-Jobber für die Straßenreinigung

Jörn Hasselmann

Künftig könnten Langzeitarbeitslose Berlin sauber machen. BSR-Sprecherin Sabine Thümler sagte gestern, das Unternehmen überlege, Arbeitslose auf Ein-Euro-Basis zu beschäftigen – zusätzlich zu den regulären Straßenfegern. Keinesfalls sollten aber bisher Beschäftigte entlassen werden. Die BSR kann sich aber vorstellen, Arbeitslose in touristischen Zentren einzusetzen, beispielsweise am Breitscheidplatz oder Alexanderplatz. Denn auf stark frequentierten Plätzen mache es Sinn, rund um die Uhr Reinigungstrupps einzusetzen.

Begeistert reagierte gestern Hanns Peter Nerger, Chef der Berlin Tourismus Marketing Gesellschaft (BTM), auf die Idee der Berliner Stadtreinigung. „Eine hervorragende Idee. Sauberkeit ist für Touristen ein immens wichtiger Faktor“, sagte Nerger. Denn damit sei ein subjektives Sicherheitsgefühl verbunden.

„Sauberkeit spielt für den Verbraucher eine sehr große Rolle“, sagt auch Nils Busch-Petersen vom Einzelhandelsverband. „Das sieht man schon am Erfolg der Einkaufszentren.“ Der Kunde kaufe dort, wo es „hell, sicher, sauber“ sei. Busch-Petersen forderte sogar, auch die bezirklichen Ordnungsdienste mit Ein-Euro-Arbeitskräften zu verstärken. Die Ordnungsämter könnten dann endlich den Kampf gegen die Hundehaufen auf den Straßen aufnehmen. „Berlin ist die einzige Stadt, in der man ständig nach unten gucken muss“, kritisiert der Chef des Einzelhandelsverbandes. Es fehle einfach noch an wirkungsvollen Sanktionen.

BTM-Chef Nerger warnte dagegen davor, den Ein-Euro-Jobbern zu viel zuzumuten. Angesichts des geringen Verdienstes sei die Motivation, als Ordnungskraft arbeiten zu müssen, sicher nicht besonders hoch. Er erinnerte an einen in den neunziger Jahren schnell gescheiterten Versuch, ABM-Kräfte für Informationsdienste einzusetzen.

Die Möglichkeit für „Ein-Euro-Jobs“ wurde 2004 durch die Hartz-Reformen geschaffen (siehe nebenstehenden Bericht). Dabei können Langzeitarbeitslose in bestimmtem Rahmen hinzuverdienen. Vor allem Wohlfahrtsverbände wollen solche Stellen schaffen, bei denen die Betroffenen neben den Transferzahlungen eine Aufwandsentschädigung von ein bis zwei Euro pro Stunde erhalten, die im Gegensatz zu anderen Hinzuverdiensten anrechnungsfrei bleiben.

Nerger schlägt vor, Ein-Euro-Jobs auch zur Pflege von Parks und Grünanlagen zu schaffen, denn deren Zustand werde von Touristen häufig kritisiert. Vor allem Amerikaner seien es, die sich bei der BTM über Schmutz, Graffiti und zerkratzte Fensterscheiben in Bussen und Bahnen beschweren. Nerger lobte, dass der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit am Freitag angekündigt hatte, Berlin noch touristenfreundlicher zu machen – durch mehr Sauberkeit und attraktivere Beleuchtung von Denkmälern und Bauwerken.

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