Berlin Song Contest : Singen für Suburbia

Beim Berlin Song Contest treten 20 Bands für Berliner Bezirke an. Im Halbfinale gibt es Italopop für Karlshorst und ein Songwriter für Friedenau.

Johannes Böhme
Kreuzberg jubelt. Lili Sommerfeld gewann den ersten Berlin Song Contest.
Kreuzberg jubelt. Lili Sommerfeld gewann den ersten Berlin Song Contest.Foto: promo

Ganz Berlin soll kommen: Wenn am morgigen Freitag der zweite Berlin Song Contest im BKA-Theater am Mehringdamm startet. Dann wird nicht nur Mitte, Kreuzberg und Charlottenburg dabei sein, sondern auch Waidmannslust, Friedenau, Karlshorst und Marzahn.

Das ist natürlich etwas gemogelt. Nicht alle der 20 Bands, die es ins Halbfinale des Wettbewerbs geschafft haben, treten für den Bezirk an, in dem sie wohnen. Bei vielen ist die Verbindung zu ihrem Bezirk doch eher oberflächlich: Ein Bruder wohnt dort, der Proberaum ist da, ein Bandmitglied kommt von daher. Johannes Kubin zum Beispiel tritt mit seinem Song „Roter Faden“ für Friedenau an, lebt aber in Neukölln. Er kennt Friedenau aber gut, weil sein Bruder dort ein Haus hat. Der 24-Jährige, der ursprünglich aus einem kleinen Ort im Taunus kommt, wird mit seiner Band und selbstgeschriebenen Folk-Popsongs spielen. Gefühlige Gitarrenballaden, von einem Spätzünder: Erst mit 18 hat Kubin angefangen sich Gitarrespielen selbst beizubringen – mit Youtube-Videos und Internetanleitungen.

Auf offenen Bühnen hat er seine Songs dann ausprobiert – und seine Bandmitglieder kennengelernt. Mittlerweile tritt Johannes Kubin unter anderem mit einer Cellistin und einer Bassflöte auf. „Ich mag das, einfach auszuprobieren, wie es klingt, wenn ein Cello dazukommt. Oder ein Digeridoo.“ Für Friedenau tritt er auch deswegen gerne an, weil es, wie der Name schon sage, so friedlich sei.

Retro-Italopop und Deutschrock

Gewissermaßen für die andere Seite Berlins tritt das Duo „Itaca“ an: Karlshorst sei „das Zehlendorf des Ostens“, sagt Sängerin Ossi Viola sagt. Zusammen mit ihrem Partner Lo Selbo, der in Karlshorst wohnt, macht sie Retro-Italopop. „Wir bewegen uns in einem Traum, in dem wir Italiener sind“, sagt sie. Eigentlich sind die beiden jedoch Berliner und heißen Sebastian und Albertine. Seit sie sich in Rom getroffen haben sind sie ein Paar – und haben sich gleich mit in italienische Popmusik verliebt.

Zunächst führten die beiden eine Fernbeziehung: Sie war in Rom, er in Berlin und es gab nur Skype, um miteinander zu reden. Davon handelt ihr Wettbewerbssong: „Ce vita in questa macchina“, das Leben in dieser Maschine, meint die Skype- Gespräche, die dieser Zeit.

Bei einer Italientournee hat der Song bereits Missverständnisse verursacht: „La macchina“ meint dort sowohl Maschine, als auch Auto. „Die Italiener denken immer, das ist ein Autosong,“ erinnert sich Viola lachend.

Das hat der Begeisterung dort jedoch nicht geschadet. „In Berlin werden wir eher als Kuriosum gefeiert“, sagt Ossi Viola. „Aber in Italien ist das Canzone Populare: Das ist wie Schlager in Deutschland, das wird total angenommen.“ Teilweise so sehr, dass das italienische Publikum gar nicht merkte, dass es zwei Berliner vor sich hatte. Selbst Selbo, der nicht fließend italienisch spricht, singe mittlerweile fast akzentfrei: „Er klingt wie ein Sarde, nur dass er aus Karlshorst ist.“

Finale am 19.April

Deutlich deutsch-rockiger wird es dann bei „Stella Rockt“ werden. Die Poprock-Band wird für Marzahn antreten und für ihren Bandraum dort: Das Orwo-Haus, ein siebenstöckiges Industriegebäude in Marzahn in dem hunderte Bands selbstorganisiert proben. Die Frontfrau Alex Stella hat einst mit Metal und Hardrock angefangen. „Da hieß es erst das meine Stimme zu klar und unschuldig war.“ Mit dem Song „Eins mit dem Beat“ will sie im Wettbewerb zeigen, dass dem nicht mehr so ist.

Das Halbfinale findet am 10. und 11. April im BKA-Theater, Mehringdamm 34, Kreuzberg statt. Eintritt: 18 Euro. Finale am 19. April im Schwuz, Rollbergstraße 26, Neukölln. www.berlin-song-contest.de

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