Berlin-Tempelhof : Hertha will abheben

Hertha BSC möchte raus aus dem Olympiastadion und prüft den Bau einer eigenen Arena. Wo? Im Gespräch ist der Flughafen Tempelhof.

André Görke
Flughafen Tempelhof
Wird Tempelhof zu Herthas neuer Heimstatt? -Foto: Günter Peters

Ein neues Fußballstadion auf dem Flughafen Tempelhof? Davon hält Stararchitekt Volkwin Marg ziemlich wenig, er spricht von einer „Schnapsidee“. Der 71-Jährige, der das neue Olympiastadion mit seinem markanten Dach entworfen hat, nennt zwei Gründe gegen den Standort: Erstens würde eine neue Arena vor den historischen Flughallen das „Baudenkmal vernichten“, zweitens sei der Verkehrsanschluss „keinesfalls so grandios“ wie am Olympiastadion. Dort gibt es fünf S-Bahnsteige – in Tempelhof einen.

Wie berichtet, steht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung der Diskussion um einen privat finanzierten Stadionneubau auf dem Flughafen Tempelhof – oder auch Tegel – offen gegenüber. Der Bundesligist Hertha BSC hat jetzt erstmals öffentlich bekannt gegeben, dass der Klub eine Machbarkeitsstudie für eine neue Fußballarena in Auftrag geben wird. Der Senat hatte daraufhin vor allem den Süden des Flugfeldes als möglichen Standort genannt, wo bisher ein Gewerbegebiet vorgesehen ist. Auch müsse man die Studie abwarten, ob nicht das Flughafengebäude in die Pläne integriert werden könne.

Es sind sehr energisch, aber doch nur spekulativ ausgetragene Gedankenspiele, schließlich endet Herthas Mietvertrag im Olympiastadion erst 2017. Doch diskutiert wird über ein reines Fußballstadion – also ohne Laufbahn – nicht erst seit dieser Woche. Schon 1988 hatte der Senat das Poststadion zur reinen Fußballarena umbauen wollen. Es kam anders, die Mauer fiel, das Stadion liegt heute zwar gut angebunden am Hauptbahnhof, jedoch mitten in einem Wohngebiet, zudem steht es unter Denkmalschutz.

Jahrelange Diskussionen gab es auch um die Sanierung des Olympiastadions: Bis Ende der neunziger Jahre plädierten Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) und Hertha für die billigere, stimmungsvollere Variante: Ein enges Stadion auf dem Maifeld oder auf den Flächen des Hockeystadions, das wenige Meter westlich des Olympiastadions liegt. Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) entschied anders, die Bundesregierung drängte, Deutschland wollte sich als Ausrichterland für die WM 2006 bewerben – mit Berlin. Die Pläne, ähnlich wie in Paris, Helsinki, Amsterdam oder London neben dem Traditionsstadion eine moderne Fußballarena zu bauen, waren damit vom Tisch. Für ein eigenes Bauprojekt hatte der Klub, gerade aus der Zweitklassigkeit aufgestiegen, kein Geld.

Nun ist also Tempelhof im Gespräch, jener Bezirk, in dem Hertha am meisten Mitglieder hat. Der Klub – gegründet in Prenzlauer Berg, groß geworden in Wedding – käme so wieder in die Innenstadt zurück. Hertha ist nicht glücklich in seiner Wahlheimat. Der Stadionname kann nicht vermarktet werden, Fans klagen über die stimmungsfeindliche Laufbahn. Dafür ist die Infrastruktur gut, durch die Heerstraße auch für den Autoverkehr. In Tempelhof müsste dies erschlossen werden, Platz zumindest wäre da: Der Güterbahnhof ist weitgehend ungenutzt.

Ob sich der Verein mithilfe von Investoren – ähnlich wie bei der O2-World – so ein Bauprojekt überhaupt leisten kann, soll die Machbarkeitsstudie klären. Im Gespräch sind auch Standorte in der Peripherie wie das Autobahnkreuz Oranienburg oder Dreilinden. Ähnlich wie in München würde in diesem Fall das Stadion bewusst an die Autobahn gestellt. Der Nachteil, zumindest für die Stadt: In München steht das Olympiastadion oft leer, es fehlen vier Millionen Euro Miete jährlich.

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