Berlin : Berlin-Tourismus: München bald eingeholt

Sigrid Kneist

Berlin wird bei Besuchern aus dem Ausland immer beliebter und wird nach Einschätzung der Berliner Tourismus Marketing GmbH (BTM) zum Jahresende München als beliebtestes deutsches Städtereiseziel ablösen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres ist die Zahl der Übernachtungen internationaler Besucher um 23,6 Prozent gestiegen und liegt damit bei knapp 1,4 Millionen Übernachtungen. Der Vorsprung der bayerischen Hauptstadt beträgt in diesem Zeitraum nur rund 33 700 Übernachtungen, im gesamten vergangenen Jahr waren es hingegen rund 530 000 Übernachtungen mehr.

Bei den Besuchern aus Deutschland liegt Berlin ohnehin vorn - vor München und Hamburg. Insgesamt wurden in der ersten Jahreshälfte rund 5,4 Millionen Übernachtungen in den Betten der Berliner Hotels gezählt. Tourismus-Chef Hanns-Peter Nerger führt das gestiegene Interesse unter anderem auf die Magnetwirkung von Großereignissen wie Love Parade oder Silvester zurück. Zudem sei die Stadt durch den Umzug von Parlament und Regierung stärker ins Bewusstsein gerückt worden und habe dadurch zusätzliche Attraktivität erhalten.

Bei den Tourismus-Werbern sind die ausländischen Besucher besonders gefragt, da sie bereit sind, mehr Geld auszugeben und auch höhere Hotelpreise zu zahlen. Der deutsche Gast hingegen schaue mehr auf die Kosten, sagt BTM-Sprecherin Natascha Kompatzki. Im Vergleich mit anderen Metropolen seien aber die Hotelpreise in Berlin ohnehin niedrig. Auch bleiben Touristen aus dem Ausland mit durchschnittlich 2,6 Tagen länger in der Stadt als die deutschen Besucher (2,2 Tage). Für die Berliner Wirtschaft ist der Tourismus ein wichtiger Faktor. Insgesamt lässt ein Tourist rund 300 Mark pro Tag in der Stadt. Die meisten internationalen Gäste kommen aus den USA, Großbritannien, Italien, Holland und Schweden.

Für Tourismus-Werber ist besonders der US-Markt wichtig. In Amerika unterhält die BTM in New York und Fredericksburg (Virginia) Niederlassungen. Nach Kompatzkis Angaben versucht man dort auch, bestimmte Zielgruppen anzusprechen, darunter etwa jüdische Reisende. Für kommende Woche habe man eine Gruppe von lesbischen und schwulen Journalisten aus Amerika eingeladen. Weiter wird im nächsten Jahr in den USA mit dem 100. Geburtstag von Marlene Dietrich geworben. Die Dietrich gelte dort als die berühmteste Tochter Berlins, sagt Kompatzki.

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