Berlin : Trauer um getöteten Polizisten

Der am Freitag von Unbekannten an der Hasenheide angeschossene 42-jährige Polizeibeamte ist tot. Er hinterlässt Frau und zwei Kinder. Von den Tätern fehlt nach wie vor jede Spur.

Berlin - Der Tod des niedergeschossenen Berliner Polizisten Uwe Lieschied hat über die Hauptstadt hinaus Trauer und Betroffenheit ausgelöst. «Dass das Leben eines engagierten Polizisten auf so schlimme Weise enden musste, zeigt, wie gefährlich der Beruf ist», sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, der dpa. Der 42-jährige Berliner Beamte war am Freitagabend in Berlin-Neukölln von einem flüchtenden Räuber niedergeschossen worden.

Der Unbekannte hatte mehrere Schüsse abgefeuert, als der Polizist mit zwei Kollegen den Verdächtigen und einen Komplizen nahe der Hasenheide stoppen wollte. Der Park gilt als berüchtigter Drogen- Umschlagplatz. Uwe Lieschied wurde am Kopf getroffen, ein Projektil drang in die Schläfe. Mehr als drei Tage lag der Hauptkommissar im Koma und rang mit dem Tod. Am Dienstag starb er. Uwe Lieschied hinterlässt eine Frau und zwei Söhne im Alter von 16 und 18 Jahren.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zeigte sich tief bestürzt. «Mit brutaler Heimtücke wurde das Leben eines tapferen Beamten ausgelöscht, der nichts anderes tat, als seiner Pflicht zu folgen.» Auch Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und Polizeipräsident Dieter Glietsch äußerten ihre Betroffenheit. «Ich empfinde Trauer und Mitgefühl mit den Angehörigen», sagte Körting. Der Polizeipräsident sagte: «Uwe Lieschied war mit seinem Engagement bei der Kriminalitätsbekämpfung ein Vorbild für viele Kollegen.»

Bei der Berliner Polizei gingen viele Kondolenzschreiben von erschütterten Berlinern ein. Die Hauptstadt-Polizisten wollen in den nächsten Tagen mit schwarzem Trauerflor an ihren Einsatzwagen an ihren Kollegen erinnern. Sie wissen, es hätte jeden von ihnen treffen können.

Der Polizeipräsident betonte zwar, dass Schüsse auf Polizisten sehr selten seien und die Gewalt gegen Beamte keine neue Qualität erreicht habe. Doch die Polizeigewerkschaft konstatiert: Der Dienst für die Kollegen, gerade in großstädtischen Problemkiezen wie Neukölln sei lebensgefährlich geworden. Nach Angaben der Gewerkschaft wurden seit 1945 in Deutschland 387 Polizisten von «Rechtsbrechern» getötet. Die Hemmschwelle bei Straftätern sinke immer weiter, heiß es bei der Berliner CDU.

Auch in Berlin ist es nicht das erste Mal, dass ein Polizist im Dienst getötet wurde. Vor knapp drei Jahren starb ein Elite-Beamter des Spezialeinsatzkommandos (SEK), als er mit seinen Kollegen eine Wohnung in Berlin-Neukölln stürmte. Ein per Haftbefehl gesuchter Libanese erschoss den 37-jährigen Polizisten.

Die Fahndung nach dem Täter läuft weiter auf Hochtouren. Knapp 30 Hinweise gingen bei der Polizei ein, eine heiße Spur war noch nicht darunter. Doch die Erkenntnisse verdichten sich. So haben die Ermittler inzwischen herausbekommen, dass der Todesschütze mit seinem Komplizen eine Frau überfallen hatte. Der Polizist und seine Kollegen hätten die Räuber flüchten sehen und sie stellen wollen.

Glietsch bescheinigte dem Hauptkommissar, der mehr als 20 Jahre im Polizeidienst war, und seinen Kollegen ein Handeln ohne Fehl und Tadel. «Sie haben nichts falsch gemacht, sie haben sich in der Situation lageangemessen verhalten», sagte er. Die Polizei hofft, dass mit der ausgesetzten Belohnung von 10 000 Euro doch noch entscheidende Hinweise auf den Todesschützen kommen.

Die Berliner Politik will nach dem Tod von Uwe Lieschied neu darüber nachdenken, wie sich die Beamten in der Hauptstadt besser schützen könnten. Aufgeworfen wurde auch die Frage, wie gegen kriminelle Drogendealer verstärkt vorgegangen werden soll. In der nächsten Sitzung des Innenausschusses im Abgeordnetenhaus sollen die Themen auf der Tagesordnung stehen.

Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), ist der Ansicht, dass gegen zunehmende Brutalität und Gewalt in seinem Bezirk mit einem hohen Ausländeranteil neue Wege gegangen werden müssten. Um gegen Bildungsferne, Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Verelendung und Kriminalität in den Griff zu bekommen, müssten Strukturen geändert werden. Mehr Polizisten würden nicht gebraucht, sagt er. (tso/dpa)

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