Berlin : Berlin trennt sich von seinen 2500 Kühen

Stadtgüter im Norden werden verkauft

Sabine Beikler

Auch Spitzenkühe leiden unter dieser Hitze. Täglich muss Superkuh Nummer 363 etwa 100 Liter Wasser schlürfen, um 50 Liter Milch abzugeben. Das Holstein-Friesen-Rindvieh lebt mit anderen 700 Kühen zufrieden im Stadtgut Schönerlinde an der Stadtgrenze zu Pankow. Das Gut ist eines von sechs Berliner Stadtgütern im nördlichen Umland, die das Land verkaufen will: 2500 Milchkühe, Ställe, Maschinen. Die Grundstücke sollen allerdings Landeseigentum bleiben. „Agrar- und Milchwirtschaft gehören nicht zu den Kernaufgaben Berlins“, sagte am Mittwoch SPD-Fraktions- und Landeschef Michael Müller bei einer Besichtigung der Stadtgüter. Bis Ende Juli können noch Angebote abgegeben werden. Im Juli 2007 soll der Verkauf der nördlichen Stadtgüter abgeschlossen sein.

Schon 2005 hatte Berlin seine im südlichen Umland gelegenen Stadtgüter mit Maschinen, Ställen und 3000 Milchkühen für 8,5 Millionen Euro an einen niederländischen Milchunternehmer verkauft. Jetzt will sich Berlin auch von dem Rest im Norden trennen – obwohl die Stadtgüter seit 2004 schwarze Zahlen schreiben. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten sie einen Gewinn von rund zwei Millionen Euro, davon die Hälfte aus der Milchwirtschaft, der Rest aus Getreideanbau. Das Abgeordnetenhaus hatte den Verkauf 2001 beschlossen. Langfristig sei das eine richtige Entscheidung, sagte Peter Hecktor, Geschäftsführer der Stadtgüter. Privatwirtschaftlich geführte Unternehmen könnten einfacher auf Fördermittel zurückgreifen.

Grund und Boden der 17 000 Hektar großen Flächen im Süden und Norden bleiben allerdings im Landesbesitz. Einerseits werden sie benötigt, um Eingriffe in die Natur bei Baumaßnahmen ausgleichen zu können – etwa beim sechsspurigen Ausbau des Berliner Rings oder beim Bau des Großflughafens . Andererseits erzielt Berlin durch die langfristige Verpachtung Einnahmen. Seit 2001 ist die Berliner Stadtgutliegenschaftsgesellschaft (BSMG) für die Vermarktung der Flächen zuständig. 2005 floss eine Million Euro durch landwirtschaftliche Pacht in die Landeskasse.

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