Berlin : Berlin trennt sich von seiner Betriebskrankenkasse

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Das Land Berlin soll ab dem 1. Januar 2003 keine eigene Betriebskrankenkasse mehr haben. Der Senat hat beschlossen, die defizitäre landeseigene Krankenkasse (BKK) mit der Betriebskrankenkasse der Verkehrsbau-Union (VBU) zu fusionieren. Damit endet die über hundertjährige Geschichte der Berliner BKK, die 1900 als Spezialkasse für die Angestellten und Beamten Berlins gegründet worden war.

Nach Tagesspiegelinformationen wollen die Verwaltungsräte beider Kassen am 5. Juli die Fusion beschließen. Danach soll über den Beitragssatz der neuen Krankenversicherung mit zusammen 360 000 Mitgliedern entschieden werden. Bisher liegen die Beitragssätze der potenziellen Partner bei 14,4 Prozent (BKK) und 12, 7 Prozent (VBU). Der neue Beitrag werde irgendwo dazwischen liegen, sagen Experten. Wie hoch genau, darüber könne man jetzt noch keine Prognose abgeben, sagt der Vorstandsvorsitzende der Berliner BKK, Jochem Schulz. Und seine Amtskollegin von der Verkehrsbauunion, Andrea Galle, schließt Erhöhungen für ihre Mitglieder nicht aus.

Die Berliner BKK hat seit Jahren finanzielle Schlagseite, auch wenn es schon einmal schlimmer aussah. Derzeit sitzt sie auf 70 Millionen Euro Schulden, vor drei Jahren waren es noch 140 Millionen. Der Beitragssatz von 14,4 Prozent macht die Krankenkasse zu einer der teuersten in Berlin. Die ungünstige Versichertenstruktur - unter den 150 000 Mitgliedern ist ein hoher Anteil chronisch Kranker und älterer Menschen - verursacht ein Millionenloch. Die Zusammenlegung mit der Krankenkasse der Verkehrsbauunion soll nun die Rettung bringen. Die VBU ist eine typische Billigkasse: ein überdurchschnittlich hoher Anteil von jungen, gesunden Mitgliedern ermöglicht der Kasse den günstigsten Beitragssatz in Berlin. So etwas bringt Zulauf. Die Kasse, die im Internet offensiv mit dem Kostenargument um neue Mitglieder wirbt, hat 212 000 Versicherte.

„Mit der Fusion werden die Berliner Unternehmen und Arbeitnehmer entlastet", freut sich Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner. Denn man rechnet mit einem Beitragssatz der neuen Kasse unterhalb des jetzigen BKK-Satzes. Und in der BKK seien viele Berliner versichert, während in der VBU, bei der die Beiträge wahrscheinlich steigen werden, die meisten von außerhalb stammten. Andrea Galle, Vorstandsvorsitzende der BKK VBU widerspricht: „84 Prozent unserer Versicherten sind aus Berlin und Brandenburg."

Das Interesse der Berliner BKK an der Fusion ist klar: eine günstigere Versichertenstruktur. Doch wie profitiert die VBU von dem geplanten Zusammenschluss? Zum 1. Juli tritt die Novellierung des Risikostrukturausgleiches zwischen den Krankenkassen in Kraft. Damit will der Gesetzgeber die unterschiedliche Versichertenstruktur fairer ausgleichen als bisher. Die „billigen“ Kassen müssen also noch mehr Geld in Richtung der notleidenden Versicherungen schieben. „Schlechte Risiken lohnen sich also wieder", sagen Fachleute. Das ist auch der Grund, warum sich die VBU-BKK auf die Fusion einlässt. Derzeit muss sie rund die Hälfte ihrer Einnahmen in den Risikostrukturausgleich pumpen, im letzten Jahr 244 Millionen Euro. Mit den Mitgliedern der Berliner BKK nähert sie sich dem Bundesdurchschnitt der gesetzlichen Krankenkassen an und könnte so die Zahlungen in den Ausgleichsfonds verringern oder gar vermeiden. Ingo Bach

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