Berlin und Brandenburg: Diebstahl von Prüfungsaufgaben : Brandenburg verzichtet auf Schadensersatz

Der Schrank mit den Prüfungsaufgaben war verschlossen, trotzdem wurde es den Dieben zu leicht gemacht. Dennoch will Potsdam von der bestohlenen Schule keinen Schadensersatz. Berlin überlegt noch.

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Büffeln für den Schulabschluss. Rund 33.000 Berliner Zehntklässler sowie Berufsschüler und Abendschüler haben auf die Prüfungen hingearbeitet.
Büffeln für den Schulabschluss. Rund 33.000 Berliner Zehntklässler sowie Berufsschüler und Abendschüler haben auf die Prüfungen...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Der Diebstahl der diesjährigen Klausuren für den Mittleren Schulabschluss und die Erweiterte Berufsbildungsreife ist teilweise aufgeklärt. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass der Büroschrank, in dem die Aufgaben lagen, zwar abgeschlossen war; seine Schlüssel waren jedoch „nicht ausreichend gesichert“, teilte das Potsdamer Bildungsministerium auf Anfrage am Dienstag mit. Der Büroschrank selbst befand sich im abgeschlossenen Sekretariat der Oranienburger Immanuel-Schule. Die Tür zum Sekretariat war aufgebrochen worden.

Laut Ministeriumssprecher Stephan Breiding gab es in der Schule schon vor dem Klausurendiebstahl, der sich Mitte Mai ereignet hatte, mehrfach Einbrüche. Sein Haus stuft das Verhalten der Schule dennoch „nicht als grobe Fahrlässigkeit ein“ und will auch keine Schadensersatzforderungen stellen, obwohl die Schlüsse zum Büroschrank nicht gut gesichert waren.

Wer den Einbruch verübt hat, kam bislang nicht raus

Ob die Berliner Senatsverwaltung für Bildung Schadensersatz fordert, werde zurzeit noch geprüft, teilt Sprecher Ilja Koschembar mit. Die Immanuel ist eine kleine christliche Schule, die aus Grund- und Gesamtschule besteht und seit 2006 existiert. Sie ist jetzt dabei, in Sachen "Sicherheit" nachzurüsten. Wer den Einbruch verübt hat, war dem Potsdamer Bildungsministerium am Dienstag noch nicht bekannt.

Die beiden Bundesländer hatten kurzfristig die für solche Fälle vorgesehenen Ersatzaufgaben für rund 45.000 Schüler zum Einsatz bringen müssen. Kritik hatte es an einer der Ersatzaufgaben gegeben, die "überbestimmt" war, was die Verwaltung auch einräumte. Wie die Klausuren ausgefallen sind, ist noch nicht bekannt, weil noch Nachprüfungen abgewartet werden müssen. Wie berichtet, bemängeln Lehrer und Schulleiter das komplizierte neue Bewertungsverfahren: Um die neuen Verordnungen zum Bewerten der Prüfungen und Jahrgangsnoten den Lehrern verständlich zu machen, wurden von pensionierten Pädagogen eine über 100-seitige "Handreichung" zusammen gestellt.

Es sind die ersten Abschlussprüfungen für Berlins neue Sekundarschulen

Kritik gibt es auch daran, dass bestimmte Hürden jetzt leichter zu nehmen sind als früher an den Gesamtschulen. Zudem gibt es eine Vielzahl von Nachprüfungen, die "möglichst jeden über die Klippe tragen sollen", wie sich ein Rektor ausdrückte. Die Neuerungen gehen einher mit der Einführung der Integrierten Sekundarschulen (ISS), die in diesem Jahr erstmals Absolventen zum Abschluss der zehnten Klasse führen.

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