• Berlin und Brandenburg ohne Rauchmelderpflicht: Jährlich etwa 30 Tote bei Wohnungsbränden

Berlin und Brandenburg ohne Rauchmelderpflicht : Jährlich etwa 30 Tote bei Wohnungsbränden

Eine Spandauerin hatte Glück: Als ihre Wohnung in Brand geriet, eilte ihr Nachbar herbei und rettete sie. Beide erlitten eine Rauchgasvergiftung. Bei Wohnungsbränden entstehen extrem giftige Gase. Rauchmelder können das Schlimmste verhindern.

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Probefeuer: Jedes Jahr demonstriert die Feuerwehr wie hier auf dem Gelände der Mariendorfer Wache, wie schnell ein vergessener Adventskranz zu einer Katastrophe werden kann
Probefeuer: Jedes Jahr demonstriert die Feuerwehr wie hier auf dem Gelände der Mariendorfer Wache, wie schnell ein vergessener...Foto: dpa

Die Zigarette im Bett rauchen – das ist noch viel gefährlicher als ein vergessener Adventskranz, auf dem die Kerzen brennen. Denn wer mit der einer Zigarette einschläft, merkt häufig nicht einmal, dass es Feuer gibt. Denn Gase, die beim Brand entstehen, entwickeln viel schneller ihre tödliche Wirkung als die Flammen – sie sind extrem giftig. Wer schläft, merkt nicht einmal, dass er vergiftet wird.

Die Spandauerin Sabine S., die von ihrem Nachbarn am Freitagabend in letzter Minute aus der brennenden Wohnung gerettet wurde, hatte also viel Glück. Mit einer lebensgefährlichen Rauchvergiftung kam die 59-Jährige in eine Klinik. Doch auch der Lebensretter hat sich selbst in erhebliche Gefahr begeben. Er zog sich bei der Aktion ebenfalls eine Rauchgasvergiftung zu und musste in einem Krankenhaus behandelt werden. „Eigensicherung geht immer vor Fremdrettung“, sagte Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke. Auch die Einsatzkräfte der Feuerwehr würden ohne Atemschutzgerät nicht in eine stark verrauchte Wohnung gehen.

Die Gefahr durch Rauch werde unterschätzt, warnte Wilke, schnell können auch die Helfer das Bewusstsein verlieren. Auch könne sich die Lage in einer brennenden Wohnung innerhalb von Sekunden dramatisch ändern, zum Beispiel bei einer sogenannten Durchzündung bei Sauerstoffzufuhr. Besser sei es, nicht den Helden zu spielen. „Wir freuen uns, dass es hier gut gegangen ist“, sagte Wilke am Sonnabend. Helfen könne man der Feuerwehr auch anders: schnell die „112“ wählen, andere Mieter warnen, Haustüren aufschließen und die Retter einweisen.

Wenn es in der Wohnung einen Rauchmelder gegeben hätte, dann wäre die Frau vermutlich rechtzeitig auf den Brand aufmerksam geworden, heißt es bei der Feuerwehr. Der laute Alarm des etwa zehn Euro billigen Geräts weckt selbst Schlafende auf. Berlin ist neben Brandenburg und Sachsen das letzte Bundesland ohne Rauchmelderpflicht. Immerhin hatte Bausenator Michael Müller im September dieses Jahres angekündigt, diese im Jahr 2014 im Baurecht zu verankern.

Zuvor hatte die SPD-geführte Bauverwaltung ein entsprechende Pflicht jahrelang blockiert – weil diese in landeseigenen Wohnungen zusätzliche Kosten verursacht. Pro Jahr sterben in Berlin etwa 30 Menschen bei Wohnungsbränden, die meisten durch Rauchvergiftung. Zuletzt war am Donnerstag ein Mann in seiner Wohnung in Prenzlauer Berg tot aufgefunden worden.

Das Feuer in der Spandauer Wohnung hat zudem auf tragische Weise gezeigt, dass eine der häufigsten Ausreden, auf den Rauchmelder zu verzichten, falsch ist: „Mein Haustier wird mich rechtzeitig alarmieren“, hört die Feuerwehr oft, was einer der gefährlichsten Mythen sei. Der kleine Hund der Spandauerin starb bei dem Feuer.

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