Berlin und Brandenburg : Zentralabitur für die gemeinsame Region

Ab 2010 wollen Berlin und Brandenburg in den vier Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch ein gemeinsames Zentralabitur organisieren.

Sabine Beikler

Sie werden nicht müde zu betonen, wie gern sie sich haben („Wir mögen uns sehr“), wie regelmäßig sie sich sehen („Mindestens jeden Montag“ bei der SPD-Präsidiumssitzung), wie nett ihre Gesprächsatmosphäre ist („Das Klima ist gut“): Die SPD-Regierungschefs Klaus Wowereit und Matthias Platzeck strahlten am Dienstag nach der gemeinsamen Sitzung der Landesregierungen von Berlin und Brandenburg viel Harmonie aus. Denn: Die Berliner Seite war sehr wohl verstimmt in den vergangenen Jahren, nachdem Brandenburger der geplanten Länderfusion eine klare Absage erteilten. Nun geht man eine Ebene tiefer und betont den Ausbau der Zusammenarbeit wie in der Bildungspolitik: Ab 2010 wollen Berlin und Brandenburg in den vier Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch ein gemeinsames Zentralabitur organisieren.

Angestrebt werden laut Wowereit und Platzeck außerdem auch gemeinsame Abschlussarbeiten in den zehnten Klassen. Über dieses Projekt äußert sich die Berliner Schulverwaltung auf Nachfrage allerdings noch sehr zurückhaltend.

Der Bau des Großflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld sei das wichtigste Infrastrukturprojekt in der Region, betonten die beiden Regierungschefs. Davon erhoffe man sich Wachstumsimpulse für die Region. Gemeinden und Landkreise sollen sich laut Wowereit im „Dialogforum BBI“ austauschen. Um eine die gemeinsame Entwicklung des Umfelds des Großflughafens zu sichern, wurde dieses Dialogforum im Vorjahr bei der gemeinsamen Landesplanungsbehörde in Potsdam gegründet.

Eine gemeinsame Wirtschaftsförderung dagegen wird es auch in Zukunft nicht geben. Allerdings prüft man, ob es sinnvoll ist, eine Tochtergesellschaft der beiden Fördergesellschaften zu gründen, die Marketingstrategien bei internationalen Auftritten steuern soll. Dass das „Berlin-Board“ – eine Initiative des Senats und der Wirtschaft – nach einem griffigen Slogan für die Hauptstadt sucht, ist für Brandenburgs Ministerpäsident Platzeck kein Problem, sondern „legitim“. Auch Potsdam suche nach einem Label.

Wirtschaftspolitisch setzen Berlin und Brandenburg auf eine stärkere Zusammenarbeit mit der Oder-Region und den polnischen Verwaltungsbezirken. In den Regionen um Stettin, Posen, Breslau sei ein Viertel der gesamten polnischen Wirtschaftskraft konzentriert, sagte Platzeck.

Als „Stärken der Region“ Berlin und Brandenburg nannten die Regierungschefs die Gesundheitswirtschaft, Forschung und Life Sciences. Grundlage dafür sei der dafür konzipierte Masterplan, sagte Wowereit. Künftig sollen auch die Labore des Berliner Instituts für Lebensmittel, Arzneimittel und Tierseuchen (Ilat) und des Landeslabors Brandenburg (LLB) zusammengelegt werden. Die Institute werden an zwei Standorten in Berlin und Frankfurt (Oder) weiterarbeiten.

Platzeck und Wowereit betonten beide, dass die Zusammenarbeit zwischen den Ländern einer „ Pflege“ bedarf. Und um die betont gute Atmosphäre nicht zu trüben, hat Wowereit seinen Brandenburger Amtskollegen schon zur Sauvesper im Februar 2008 eingeladen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben