• Berlin und die historische Mitte: SPD-Chef Jan Stöß: „Mit Architektur der DDR sensibel umgehen“

Berlin und die historische Mitte : SPD-Chef Jan Stöß: „Mit Architektur der DDR sensibel umgehen“

Neue Debatte über die Alte Mitte: Berlins SPD-Chef Jan Stöß will die Bürger bei der Umgestaltung miteinbeziehen - und fordert einen offensiven Umgang mit der Geschichte der Stadt.

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Blick vom Hauptbahnhof Berlin auf den Bezirk Mitte mit Fernsehturm am Alexanderplatz und Charité.
Blick nach Mitte: Um Berlins Stadtzentrum hat es schon zahllose Architekturdebatten gegeben. Jetzt schaltet sich der SPD-Chef von...Foto: dpa

Berlins SPD-Vorsitzender Jan Stöß hat sich erneut zur möglichen Umgestaltung der historischen Mitte zwischen Fernsehturm und Humboldt-Forum geäußert. Bereits im vergangenen Jahr hatte er über den Tagesspiegel eine Debatte zu dem Thema angestoßen. „Die Berliner sollten sich zunächst darüber klar werden, welche Funktionen der Ort haben soll“, sagte Stöß am Sonntag. „Das ist ein Thema für die ganze Stadt und kann nicht allein durch einen internationalen Architektenwettbewerb entschieden werden“.

Je schneller der Bau des Humboldt-Forums vorangehe, desto notwendiger werde es, auch für die andere Spree-Seite zukunftsfähige Gestaltungsvorschläge zu entwickeln und umzusetzen. „So viel Zeit bleibt dafür gar nicht mehr.“ Gut sei, dass es bei Senatsbaudirektorin Regula Lüscher schon ein entsprechendes Forum gebe, aber es bedürfe auch zwingend einer breiten öffentlichen Diskussion über verschiedene Aspekte der künftigen Nutzung des Areals. Jetzt sei dort nur eine Brache ohne Aufenthaltsqualität. Stöß hält es für symptomatisch, dass es für die historische Stadtmitte Berlins keinen richtigen Namen gibt. Das frühere Marx-Engels-Forum heiße jetzt offiziell Rathausforum, aber niemand wisse mit dieser Bezeichnung etwas anzufangen.

Der SPD-Chef sprach sich gegen vereinzelte Vorschläge aus, das DDR-Erbe auf dem Areal einfach abzureißen. „Das ist ganz klar abzulehnen. Mit den Zeugnissen der DDR muss man sensibel umgehen“, sagte er. Gleiches gelte für die Tatsache, dass es auf der betreffenden landeseigenen Fläche viele Grundstücke gebe, die einst jüdischen Eigentümern gehörten und von den Nationalsozialisten geraubt wurden. „Manche befürchten, dass es Entschädigungsansprüche geben könnte, und wollen deshalb am liebsten gar nichts machen“, sagte Stöß. „Aber das ist grundfalsch. Wir müssen uns – ganz im Gegenteil – endlich auch offensiv mit diesem Teil der Vergangenheit auseinander setzen.“ Bislang sei dies vorbildlich in der Ausstellung „Geraubte Mitte“ im Berliner Stadtmuseum geschehen.

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