Berlin : Berlin verliert Sony und lockt Premiere

Bei der Standortsuche des Fernsehsenders sind Köln, Hamburg und Düsseldorf aus dem Rennen

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Die großen Firmen kommen und gehen: Nach dem bevorstehenden Abzug der DeutschlandZentrale von Sony Music aus Berlin nach München erwägt der Bezahlsender Premiere, seinen Firmensitz von der Isar an die Spree zu verlegen. Umzugspläne gibt es schon länger, doch als Kandidat für einen Umzug ist jetzt nach Tagesspiegel-Informationen nur noch Berlin im Gespräch. Die Entscheidung soll noch in diesem Monat fallen. Wie viele der rund 1700 Premiere-Mitarbeiter bei einem Votum für Berlin hierher kommen würden, stehe noch nicht fest, sagte ein Sprecher. Es gibt bereits Pläne, am Messegelände ein neues Gebäude zu errichten.

Premiere hatte von dem Unternehmensberater McKinsey potenzielle Alternativstandorte zu München-Unterföhring untersuchen lassen. Mit dabei waren neben Berlin noch Hamburg, Köln und Düsseldorf. McKinsey hat nach Tagesspiegel-Informationen Berlin als neuen Firmensitz empfohlen. Hier sei man „mitten in der Politik“, heißt es bei Premiere. Zudem identifiziere man den Standort München immer noch mit dem zusammengebrochenen Kirch-Imperium. Der Bezahlsender Premiere gehörte einst dem in die Pleite geschlidderten Filmhändler Leo Kirch. Dem heutigen Premierechef Georg Kofler wird ein besonderes Verhältnis zu Berlin nachgesagt. Die Entscheidung trifft aber der Gesamtvorstand.

„Wir loten alle möglichen Standorte aus, weil man sich immer verbessern kann“, sagte ein Premiere-Sprecher. Unternehmen, die mit einem Umzug liebäugeln, werden heftig umworben. Berlin sei dabei „sehr ideenreich“, heißt es im Umfeld des Senders. Ein Umzug wird finanziell gefördert, wenn dadurch neue Arbeitsplätze entstehen.

Umgekehrt locken aber auch Vertreter der bisherigen Standorte mit Vergünstigungen, wenn der Umzug unterbleibt. So hat auch Bayern dem Sender ein lukratives Angebot gemacht. Das Pokerspiel um einen Umzug kann sich so auch für ein Unternehmen auszahlen, das am Ende doch nicht umzieht. Premiere zog bereits einmal um – von Hamburg nach München.

Und selbst nach einem Umzug ist nicht garantiert, dass das gewonnene Unternehmen auf Dauer am neuen Standort bleibt. Die Förderungen haben in der Regel eine Bindungsfrist von fünf Jahren. So gefördert wurde auch Sony Music beim Wechsel nach Berlin im Jahr 2000. Sollte die Zentrale der Sparte nach München verlagert werden, müsse man über eine Rückzahlung reden, sagte Christoph Lang von der Wirtschaftsverwaltung. Der Sony-Konzernsitz bleibt am Potsdamer Platz.

In der Noch-Zentrale am Potsdamer Platz herrschte am Montag Ratlosigkeit darüber, wo die rund 230 Mitarbeiter künftig arbeiten und wie viele ihren Job verlieren werden. Eine Sprecherin wollte sich zu den Spekulationen, wonach es künftig doch zwei Standorte – in Berlin und München – geben soll, nicht äußern. Katja Neese betonte, der fusionierte Musikkonzern Sony BMG werde „natürlich weiterhin in der Hauptstadt präsent bleiben“. Ob es sich dabei allerdings nur um eine Repräsentanz handelt oder ob auch ein Teil des operativen Deutschlandgeschäfts in Berlin angesiedelt werde, sei offen. BMG-Deutschlandchef Maarten Steinkamp wird künftig zugleich Europa-Chef. jbh/kt/mot

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