Berlin vor dem 1. Mai : Zündeln im Szenekiez

Nach dem Feuer in dem Rohbau des Luxuswohnprojekts "Palais Kolle Belle" an der Kollwitzstraße: Autonome schlagen offenbar immer häufiger in Prenzlauer Berg zu.

Nana Heymann
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Den Haufen aus angebrannter Pappe und verkohltem Dämmstoff hatten Bauarbeiter schnell zusammengekehrt und in einem Müllcontainer entsorgt. Einen Tag nach dem Feuer in dem Rohbau des „Palais Kolle Belle“ an der Kollwitzstraße in Prenzlauer Berg sind die Spuren der Tat bereits beseitigt. Nicht mal mehr der Schriftzug „Mit Geld kann man nicht alles kaufen“ ist noch zu lesen. Die Parole hinterließen die mutmaßlich autonomen Täter an der Hofeinfahrt des Gebäudes.

Auf der Baustelle sei kein großer Schaden entstanden, sagt die Bauleitung, es müsse lediglich Wasser vom Feuerwehreinsatz abgepumpt werden. Sie ist zuversichtlich, das Projekt mit den 74 Eigentumswohnungen fristgerecht im Sommer abzuschließen. Seit Beginn der Bauarbeiten voriges Jahr patrouilliert der Wachschutz, um Diebstahl von Baumaterial zu verhindern; an ihm müssen sich die Täter vorbeigeschlichen haben. Ob die Sicherheitsmaßnahmen zum 1. Mai verstärkt werden, müssten Bauherr und Wohnungseigentümer entscheiden. „Gleich nebenan wird der Gehweg gemacht. Die Pflastersteine, die da herumliegen, würden sich gut als Wurfgeschosse eignen“, sagt einer der Bauleiter. Für Panik sieht er keinen Anlass.

André L., 39, gebürtiger Berliner, wohnt gegenüber der Baustelle. Dass jemand dort Feuer gelegt hat, verwundert ihn nicht. Immer wieder sei die Fassade mit Sprüchen wie „Fuck Yuppies“ beschmiert worden. „Krass wäre nur, wenn die Täter das Haus hätten komplett abfackeln wollen. Das wäre eine Steigerung zum Anzünden von Autos.“ Weil der Schaden aber kaum zu sehen ist, hält er die Tat für einen „symbolischen Akt“.

Keine Einwände gegen einen solchen symbolischen Akt scheint der benachbarte Gewerbetreibende zu haben, der anonym bleiben will. „Ich hätte auf das Ding verzichten können“, sagt er und blickt abschätzig zur Baustelle. Immer wieder kämen „Spekulanten“ und erkundigten sich nach Grundstücken in der Gegend, etwa nach dem Gelände mit dem Kinderspielplatz und dem Theater. Angst vor Randalierern am 1. Mai habe er nicht. „Das sind Menschen, die auch nur ihre Meinung äußern wollen.“

Neu Zugezogene dagegen lehnen das Vorgehen der autonomen Täter ab. Andrea R. (42), die aus Bayern stammt und im vergangenen Jahr eine Wohnung in der Kollwitzstraße kaufte, hat kein Verständnis für brennende Autos und Baustellen als Protest gegen die sogenannte Gentrifizierung. „Wer mit den Veränderungen hier nicht klarkommt, der sollte doch einfach woanders hinziehen.“ Am 1. Mai will sie für ein verlängertes Wochenende nach Bayern fahren.

Ausschreitungen am „Tag der Arbeit“ habe es am Kollwitzplatz seit Jahren nicht mehr gegeben, sagt André L. – wohl auch wegen der verstärkten Polizeipräsenz. Die Randale finden nun etwas weiter entfernt statt, im Mauerpark. Dort mussten Einsatzkräfte am Wochenende illegale Osterfeuer löschen sowie einen brennenden Container am nahe gelegenen Falkplatz. 

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