Berlin : Berlin vor dem Mauerbau: Tricks und Schiebereien

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"Sie zahlen keine Steuern", schimpft der SED-Politiker Friedrich Ebert in dem Filmbeitrag von 1957 über die Pendler, die noch aus dem Westteil Berlins zu ihrer Arbeitsstelle in den Ostteil fahren konnten. Der damalige Bürgermeister Ost-Berlins regt sich über diese "Nutznießer der Teilung Berlins" auf.

"Berlin vor dem Mauerbau - oder: Schnell mal rüber", heißt der Film, in dem Ebert zu hören ist. Darin geht es um den "Grenzverkehr im Berlin der 50er-Jahre". Etwa 20 Zuschauer waren in die Landesbibliothek in der Breiten Straße in Mitte gekommen, um sich die Vorführung des Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR (LStU) im Rahmen seiner Vortrags- und Seminarreihe anzuschauen.

In dem Dokumentarfilm von Ute Bönnen und Gerald Endres kommen vor allem Berliner zu Wort, die über ihren Alltag in Ost und West berichten. Sie erzählen, wie sie mit kleinen Tricks und Schiebereien versuchten zu überleben und wie es der Stadt mit zwei Geldwährungen erging. "Wir haben das nicht ernst genommen, als die DDR gegründet wurde", erzählte ein West-Berliner nach der Vorführung. Der Film sollte die Besucher dazu anregen, ihre eigenen Geschichten aus der Zeit vor dem 13. August zu erzählen. "An der Grenze liefen Geschichten ab, die hätte sich nicht einmal ein Kriminalromanautor ausdenken können." Eine Besucherin, die damals in Leipzig Russisch studierte, weil sie dachte ihr Abitur sei zu schlecht für andere Fächer, sagte, sie habe 1960 eine böse Vorahnung gehabt. "Da war ich mir sicher, dass die Russen es mit DDR ernst meinen." Der Film, der zuvor gezeigt wurde, endete 1961 mit dem Mauerbau.

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