Berlin : Berlin vor der Wahl: Der Polemik keine Stimme

David Ensikat

Die Berliner Parteien wollen ihren Wahlkampf in dieser Woche wieder aufnehmen, so viel steht fest. Dass es ein anderer Wahlkampf wird als bisher geplant, allerdings auch. Nach den Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten am vergangenen Dienstag wollen alle Parteien ihre Strategien überarbeiten.

So hat sich die CDU entschieden, zwei bereits gedruckte Plakate nicht aufzuhängen. Sie seien zu ironisch für die derzeitige Stimmung, sagte der Wahlkampfleiter der CDU Volker Liepelt. Festveranstaltungen wie etwa der Auftakt der CDU-Kampagne vor gut einer Woche im Bierzelt seien nicht denkbar. Thematisch, so Liepelt, liege es nahe, Sicherheitsfragen in den Vordergrund zu stellen - "das interessiert die Leute jetzt".

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Ted: Soll der Berliner Wahlkampf eingestellt werden? Bei der SPD wird sich, so sieht es im Augenblick aus, inhaltlich nichts an dem bisherigen Konzept ändern. "Wir haben ohnehin einen sachlichen Wahlkampf geplant", sagt Wahlkampfleiter Michael Donnermeyer, "da muss es möglich sein, weiter über die Finanzlage der Stadt zu streiten". Allerdings müsse man den richtigen Ton finden. Das heißt: In der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner will die SPD sich durchaus zurücknehmen, Spaß und Spektakel wird sie nicht bieten. Allererstes Ziel, so Donnermeyer, müsse es sein, die Leute überhaupt für den Wahlgang zu motivieren. Es gehe dabei um ein Bekenntnis zur Demokratie - eine notwendige Reaktion auf die Terroranschläge in den Vereinigten Staaten.

Am vergangenen Mittwoch hatten sich die Parteien sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene darauf verständigt, bis einschließlich Sonntag sämtliche Wahlveranstaltungen auszusetzen.

Die PDS hatte am Dienstag gerade begonnen, die ersten Plakate in der Stadt aufzuhängen. Das wurde sofort gestoppt, und nun überprüfen die Wahlkämpfer noch einmal die Bildmotive und Fernsehspots. Am Montagabend wird Gregor Gysi - wie geplant - seine "Berlinrede" in der Nikolaikirche halten. Natürlich wird er dabei auf die aktuelle Situation in Amerika eingehen. Ihren Wahlkampf wolle die PDS in den nächsten Tagen vor allem "als Dialog" führen, so Petra Pau, Berliner Vorsitzende der Partei. Das soll mit Diskussionsveranstaltungen gelingen, die sich den aktuellen Fragen widmen.

Ebenfalls mit einem Dialog, "weniger verkündend, weniger erklärend", wollen die Politiker von Bündnis 90/Die Grünen auf die Situation reagieren. "Das friedliche Zusammenleben der Kulturen" sei angesichts der tragischen Ereignisse das Thema, das man in Berlin diskutieren müsse, sagt Matthias Tang, Sprecher der Grünen-Fraktion. Am Montagabend veranstaltet die Partei in der Sehitlik-Moschee am Columbiadamm eine Diskussion mit Vertretern der Kirche und der islamischen Gemeinde.

In einem sind sich die Berliner Parteien einig: dass man den Wahlkampf nun fortsetzen müsse und dies in einer ruhigeren Form geschehen soll. Genauere Strategiepläne bis zur Wahl kann aber niemand schmieden. "Wenn die Amerikaner morgen losschlagen, dann ist wieder alles anders", sagt Anja Sprogies, die Sprecherin der SPD in Berlin.

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