Berlin : Berlin vor der Wahl: Union fällt auf historischen Tiefstand

Barbara Junge

Gut eine Woche vor den Wahlen zum Abgeordnetenhaus verliert die CDU weiter an Boden. Mit nur 25 Prozent liegt die Union weit abgeschlagen hinter der SPD mit stabilen 33 Prozent. Obwohl die Grünen zwei Prozentpunkte von 8 auf 10 Prozent zulegen, reicht es nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap im Auftrag des Tagesspiegels jedoch nicht für die Fortsetzung der rot-grünen Koalition ohne einen dritten Partner. Auch die PDS steigert sich um 2 Prozentpunkte von 17 auf 19, während die FDP 1 Prozent verliert und jetzt bei 9 Prozent liegt. 17 Prozent der Wählerinnen und Wähler jedoch haben sich in ihrer Wahl noch nicht festgelegt. Grafiken: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit des rot-grünen Senats?
Umfrage: Welche Partei würden Sie wählen? Die Probleme der CDU manifestieren sich insbesondere in Ost-Berlin. Im Westteil der Stadt vertrauen auch trotz der Bankenkrise noch 32 Prozent den Christdemokraten, im Ostteil wollten - wäre an diesem Sonntag bereits die Wahl - nur 15 Prozent der CDU ihre Stimme geben.

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Die Umfrage, die zwischen dem 5. und dem 9. Oktober durchgeführt wurde, zeigt recht deutlich die Auswirkungen der Terroranschläge und der Angriffe in Afghanistan auf die Berliner Wahlen. Die Wähler vertrauen auf die regierende SPD, während die oppositionelle CDU in dieser Krisenzeit eine geringere Rolle spielt. Die Haltung der PDS gegen die Angriffe in Afghanistan haben der Partei offenbar nicht geschadet, auch das zeigt die Umfrage.

Indes hat der Terror ebenso wie die Innere Sicherheit bereits jetzt schon wieder bei den Wählern an Bedeutung verloren. Wie bereits vor dem 11. September rangieren die Arbeitslosigkeit und die Verschuldung des Landes ganz vorne auf der Prioritätenliste, gefolgt von der Bildungspolitik. Erst auf Platz vier steht die Innere Sicherheit. Der SPD trauen die Wähler für die als vorrangig genannten drei Probleme die größte Kompetenz zu, nur bei der Kriminalitätsbekämpfung schneidet die Union besser ab.

Die stabilen Zahlen der SPD und die leichten Gewinne der Grünen spiegeln sich in der Zufriedenheit der Berliner mit dem amtierenden Senat wieder. Nur 16 Prozent sind nicht zufrieden mit seiner Arbeit, 37 Prozent zeigen sich weniger zufrieden. Dagegen steigerte sich die Zufriedenheit mit dem Senat von 30 auf 38 Prozent. Dazu kommen 2 Prozent, die sehr zufrieden sind. Nach wie vor genießt zudem der Spitzenkandidat der SPD, Klaus Wowereit, die größten Sympathien. Mit einer Note von 2,7 ist er der mit Abstand beliebteste Spitenkandidat. Der Spitzenkandidat der CDU, Frank Steffel, erhält abgeschlagen die Note 4,0.

Wie stark sich die aktuellen Werte vom Wahlausgang unterscheiden werden, hängt unter anderem von den noch unentschiedenen Wähler ab. Bei den insgesamt 17 Prozent Unentschiedenen stellen die potenziellen FDP-Wähler den größten Anteil. 26 Prozent derer geben an, dass sich an ihrer Wahlentscheidung noch etwas ändern könnte. Ein weiterer Faktor, der den Wahlausgang noch beeinflussen wird, ist die Wahlbeteiligung. Denn die Parteien hoffen sehr viel stärker auf die höhere Mobilisierung ihrer eigenen Klientel als auf die so genannte Wählerwanderung. Derzeit ist das Interesse an der Wahl jedoch eher durchschnittlich.

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