Berlin wächst : Babyboom in der City-West

Die neuesten Daten der Statistiker sehen ein besonders hohes Wachstum in den westelichen Bezirken. Charlottenburg-Wilmersdorf hat die stadtweit höchste Zuwachsrate bei Geburten.

Cay Dobberke

Die jetzt veröffentlichte Berliner Geburtenstatistik für den Zeitraum Januar bis August 2007 birgt eine Überraschung: Zwar ist Pankow mit dem Ortsteil Prenzlauer Berg weiterhin die geburtenstärkste Gegend der Stadt, doch die höchste Zuwachsrate gibt es in der City-West. Die Zahl der Neugeborenen nahm in Charlottenburg-Wilmersdorf von 1430 im gleichen Vorjahreszeitraum auf 1556 zu – dies entspricht 8,8 Prozent mehr. In Pankow sind es 7,6 Prozent, dort wurden bis August 2601 Babys geboren (im Vorjahreszeitraum: 2417).

„Ich glaube, dass der Bezirk vor allem für junge Familien aus dem bürgerlichen Milieu attraktiv ist“, sagt die Fraktionsvorsitzende und Stadtentwicklungsexpertin der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Franziska Eichstädt-Bohlig, deren Wahlkreis in der City-West liegt. Zwar sei diese kein Szeneviertel wie Prenzlauer Berg und „nicht so in“, doch wer einen Kinderwunsch hege, ziehe meist ohnehin nicht mehr dauernd um die Häuser. In Charlottenburg-Wilmersdorf sei die Ausstattung mit Spielplätzen und Kitas vergleichsweise gut; es gebe auch „viel Grün“ auf den Stadtplätzen und in den größeren Parkanlagen.

Besonders der Kiez rund um den Stuttgarter Platz, die Leonhardtstraße und den Amtsgerichtsplatz locke nach ihren Beobachtungen immer mehr junge Leute an, sagt Eichstädt-Bohlig. Ähnliches gelte für die Umgebung des Lietzensees und den Kiez um den Ludwigkirchplatz in Wilmersdorf.

Jugendstadtrat Reinhard Naumann (SPD) sieht es ähnlich und nennt Gründe dafür. „Wir haben eine gute Infrastruktur bei Kitaplätzen, bei Schulen und Sportanlagen.“ Als einer der ersten Bezirke Berlins habe Charlottenburg-Wilmersdorf die Ganztagsbetreuung für Kinder ausgebaut. Die Nachfrage habe sich stärker als erwartet entwickelt: Das Bezirksamt habe geschätzt, dass Eltern für 50 bis 55 Prozent der Hortkinder eine Ganztagsbetreuung wünschen, tatsächlich betrage der Anteil in manchen Gegenden bis zu 60 Prozent. In Neuwestend sei bereits ein Ergänzungsbau geplant, um mehr Kinder nachmittags betreuen zu können.

Auch das neue Elterngeld und die Bevölkerungsstruktur spielten eine Rolle, sagt Naumann. Im Bezirk gebe es viele Haushalte, die über „mittlere bis gehobene“ Einkommen verfügten und so auch Anspruch auf ein relativ hohes Elterngeld hätten. Es gebe viele „späte Mütter und Väter“, die erst mit Mitte bis Ende 30 eine Familie gründen.

Wo genau in der City-West die meisten Babys zur Welt kommen, ist dem Bezirksamt bisher nicht bekannt. Auf Wunsch des Jugendhilfeausschusses werde die Sozialstruktur in fünf Kiezen jetzt aber genauer „ausgeleuchtet“, kündigt Naumann an.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar