Berlin : Berlin-Wahl und Kirche: Bischöfe empfehlen: Christlich wählen

Susanne Vieth-Entus

Die beiden großen Kirchen haben sich fünf Tage vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus unverblümt auf die Seite von CDU und FDP geschlagen. Sie rieten den Wählern, bei der Stimmabgabe zu bedenken, welche Parteien sich für ein ordentliches Unterrichtsfach Religion einsetzten. Dies sei für "verantwortliche Christen" ein "wichtiger Gesichtspunkt", betonte der evangelische Bischof Wolfgang Huber am Dienstag. Der katholische Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky riet seinen Schäfchen, sie sollten "prüfen", bei welchen Parteien die Einführung eines Wahlpflichtbereichs Religion - Ethik/Philosophie "am ehesten gesichert" sei.

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Die beiden Kirchenmänner wollten ihren Ärger besonders über die Sozialdemokraten nicht verhehlen. SPD-Spitzenkandidat Klaus Wowereit habe ihn wissen lassen, dass Religionsunterricht "kein Thema" für ihn sei, berichtete der Erzbischof. Huber hat offenbar keine Angst vor dem Vorwurf der Wählerbeeinflussung. "Ich lasse mir den Mund nicht verbieten", sagte er. Es sei "ein Vergehen an der jungen Generation", sie ohne ein Pflichtfach zur Wertevermittlung in das Leben zu entlassen. Religion sei so wichtig wie Informatik, Ethikunterricht so wichtig wie die Englischstunde.

Den Kirchen schwebt vor, dass Ethik/Philosophie sowie islamischer, christlicher und jüdischer Religionsunterricht in einem Wahlpflichtbereich angeboten werden. Damit die Kinder nicht nur etwas über die eigene Glaubensrichtung erfahren, soll es zwischendurch Begegnungsphasen geben, in denen sich alle Schüler zu den einzelnen Themen austauschen können.

Huber wollte nicht ausschließen, dass sich bei den Parteien "wenige Tage vor der Wahl noch was bewegt". Deshalb hat er brieflich an alle Kandidaten appelliert, sich für die Einführung von Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach an den Schulen einzusetzen. Auch angesichts dessen, dass die Islamische Föderation ihren Unterricht jetzt ausbaue, müssten neue Antworten gegeben werden.

Die CDU ist seit langem mit den Kirchen einig, dass die Fächer zur Religions- und Wertevermittlung verbindlich belegt werden müssen. Derartige Töne sind neuerdings auch von der FDP zu hören.

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