Berlin-Wedding : Bei Tram-Unfällen ist oft die Ampel schuld

Eine Mutter starb in Wedding unter der Straßenbahn. Die Polizei macht die Ampelschaltung verantwortlich: Sie sei verwirrend.

Tanja Buntrock

Vielleicht hatte sie das rote Ampellicht auf der Mittelinsel an der riesigen Kreuzung Osloer Straße Ecke Prinzenallee in Wedding übersehen. Wie schon so viele andere, die an den Passanten-Übergängen die einfahrende Tram zu spät bemerkten. Doch diesmal endete das Überqueren der Kreuzung tödlich: Die Frau wurde gemeinsam mit ihrer Tochter von der Tram erfasst und erlag ihren Verletzungen. Das Kind überlebte. Die Polizei schließt nicht aus, dass die oftmals „verwirrende Ampelschaltung“ Ursache für den Unfall sein könnte.

Wie berichtet, war die 38-jährige Frau aus Wedding mit ihrer elfjährigen Tochter gegen 17.20 Uhr an der Kreuzung von der Tram-Linie M13 erfasst und mitgeschleift worden. Die Mutter starb noch am Unfallort. Die Tochter wurde mit schweren Verletzungen ins Virchow-Klinikum gebracht und soll sich inzwischen außer Lebensgefahr befinden. Der Tram-Fahrer kam mit einem schweren Schock in die Klinik.

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei und Aussagen mehrerer Zeugen sollen die Frau und das Kind bei roter Ampel die breite Kreuzung überquert haben. Vielleicht aber nicht mit Absicht. Die Ampelschaltung auf der riesigen Kreuzung ist für viele Passanten unübersichtlich: Während die Fußgängerampel Grün zeigt und die Passanten losgehen, steht die Ampel am Gleisübergang in der Mitte der Kreuzung auf Rot, so dass die Tram freie Fahrt hat. „Wegen des breiten Gleisbetts sehen viele Fußgänger nur Grün, auch an der folgenden, hinteren Ampel, und missachten deshalb die rote Ampel am Gleisbett“, sagte ein Verkehrsermittler. Deshalb habe es insbesondere im Bezirk Wedding schon häufiger Unfälle an solchen Kreuzungen gegeben.

Dem widerspricht die BVG-Sprecherin Petra Reetz. „Die Frau ist eindeutig bei Rot über die Ampel gegangen. Das ist eine so riesengroße Kreuzung, die Ampel konnte man gar nicht übersehen“, erklärt Reetz, die den Unfallort selbst in Augenschein genommen hatte. „Die Ampeln sind so geschaltet, dass man gar nicht in einem Stück über die Kreuzung gehen kann“, sagte Reetz. Die Sprecherin vermutet vielmehr, dass die Passantin lediglich die entgegenkommende Tram gesehen hat, aber nicht die Straßenbahn, die von links kam. „Viele unterschätzen auch die Geschwindigkeit einer Straßenbahn“, sagte die Sprecherin. Doch eine Tram sei eben kein Bus, bei dem der Fahrer im letzten Moment noch das Lenkrad herumreißen könne. „In diesem Fall war der Fahrer ja schon sehr langsam, weil er bereits in der Einfahrt der Haltestelle war“, erklärte Reetz. Doch trotz einer Bremsung dauert es, bis der tonnenschwere Zug zum Stehen kommt.

Die getötete 38-Jährige ist die erste Verkehrstote in diesem Jahr, die bei einem Straßenbahnunfall ums Leben gekommen ist. Im vorigen Jahr starben sechs Menschen nach Unfällen mit Straßenbahnen. Insgesamt gab es 297 Tram-Unfälle mit 133 Verletzten – davon 27 Fußgänger, 17 Radler und drei Kinder. Damit sind die Unfallzahlen im Vergleich zum Jahr 2005 um rund acht Prozent gestiegen. Vier Menschen waren damals bei einem Unfall mit einer Straßenbahn ums Leben gekommen.

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