Berlin: Wegen interner Streitigkeiten : Verein der Tegelfans vor dem Aus

Für eine gemeinsame Sachen wollen sie kämpfen: die Offenhaltung des Flughafens Tegel. Dafür haben sie einen Verein gegründet. Doch nun ist der Vorsitzende zurückgetreten. Von "krimineller Energie" im Verein, Betrug und mangelhaftem Engagement ist die Rede.

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Verein "Tegel bleibt offen e.V."
Im Kampf für eine Sache, aber auch gegeneinander: der Verein "Tegel bleibt offen e.V."Foto: www.tegel-bleibt-offen.de

Eigentlich haben sie ein gemeinsames Ziel: Sie wollen den Flughafen Tegel offenhalten. Dafür haben sie im April einen Verein gegründet („Tegel bleibt offen e.V.“). Vorsitzender des Vereins wurde Marius Valentin. Der 22-Jährige hatte mit seiner Facebook-Seite zur Tegel-Offenhaltung zuvor den Anstoß gegeben. Doch nun ist der Verein tief zerstritten und steht vor dem Aus. Valentin hat seinen Vorsitz niedergelegt – auf Drängen anderer Vereinsmitglieder. Vor allem zwischen Valentin und Vereinsmitglied Eberhard Strauch krachte es ordentlich.

Valentin spricht gegenüber dem Tagesspiegel von „krimineller Energie“, die da zutage trete. So habe Strauch selbst Vorsitzender werden wollen, sei aber gescheitert. Seitdem habe er versucht, den Vorstand gegeneinander auszuspielen, in dem er verschiedene Mail-Verteiler eröffnet habe und gezielt Vorstands- und Vereinsmitglieder falsch über Veranstaltungen und Sitzungen informiert habe. Von Urkundenfälschung und Beleidigungen ist die Rede. „Ich persönlich finde es sehr schade, dass der Verein an so einem machthungrigen Mensch wie Herrn Strauch, der über Leichen geht, zerbricht“, schreibt Valentin in einer Mail an alle Vereinsmitglieder. Darin veröffentlicht er auch einen Mailverkehr aus dem hervorgeht, wie Strauch mit anderen Pläne schmiedet, um unliebsame Mitglieder „zu erledigen“, wie es darin heißt.

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Strauch tritt den Vorwürfen entgegen. Er habe zwar in einer Mail davon geschrieben, dass man mit Valentin den „Bock zum Gärtner“ gemacht habe, das sollte aber keine Beleidigung sein, sagte er dem Tagesspiegel. Allerdings sei es notwendig gewesen, dass Valentin den Vorsitz abgibt. „Weil er nichts tut“, begründet Strauch. Er habe häufig unentschuldigt gefehlt und nichts mehr für den Verein getan. Nur eine Facebook-Seite zu betreiben reiche nicht. „Wir mussten die Notbremse ziehen, weil er auf diesem Posten eine Fehlbesetzung war“, sagt Strauch.

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Auch wehrt er sich gegen den Vorwurf, falsch informiert zu haben. Jeder habe die gleichen Einladungen und Mails bekommen, nur Valentin habe ein Problem mit seinem Smartphone, sagt Strauch, weshalb er einige Anhänge nicht gesehen habe. Auch gebe es weitere Mitglieder, die dem Ziel des Vereins im Wege stünden. Das geht auch aus den von Valentin veröffentlichten Mails hervor. Strauch verweist auf eine Person, die Veranstaltungen stört und unterbricht. „Wir müssen uns vor solchen Leuten schützen und haben überlegt, wie wir diese Leute ausschließen können.“ Schließlich würden Sponsoren und Unterstützer durch Personen dieser Art verunsichert. Strauch legt nun nach und wirft Valentin vereinsschädigendes Verhalten vor. „Über einen Ausschluss muss der Vorstand entscheiden“, sagt er.

Das muss er wohl nicht mehr. Denn nach eigener Auskunft hat Valentin seinen Austritt schon per Post verschickt – genau wie rund die Hälfte der etwa 20 Vereinsmitglieder auch.

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