Berlin : Berlin-Werber: Für uns ist die Love Parade erledigt

Tourismusmanager Nerger: Gute Idee ist Machern über den Kopf gewachsen. Veranstaltergesellschaft gibt sich Fristaufschub bis kommende Woche

Lars von Törne

Neben den potenziellen Sponsoren haben inzwischen auch die professionellen Berlin-Werber die Hoffnung auf die Love Parade verloren. Der Umzug, der in den 90er Jahren regelmäßig Besuchermassen in die Stadt lockte, hat „seine Strahlkraft längst verloren“, sagt der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands, Willy Weiland, dem Tagesspiegel. Und Hanns Peter Nerger, Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) resümiert enttäuscht: „Es war mal eine brillante Idee, aber sie ist den Veranstaltern inzwischen über den Kopf gewachsen.“

Im Internet wirbt die BTM zwar noch international für das „Top Event“ Love Parade, das eigentlich am 9. Juli stattfinden soll. Dass es angesichts der unklaren Finanzierung des Umzugs wirklich dazu kommt, glaubt Nerger allerdings schon seit einigen Wochen nicht mehr. „Die Love Parade ist erledigt und kann höchstens durch einen völligen Neuanfang wiederbelebt werden“, sagt der Tourismusmanager. Früher war das Ereignis schon viele Monate im Voraus international beworben worden und zog mehr als eine Million Fans elektronischer Tanzmusik an. In diesem Jahr jedoch ist wie berichtet drei Monate vor dem Umzug noch völlig unklar, ob die Veranstalter genug Sponsoren finden. „Es gibt keine Chance mehr, das Ereignis so kurzfristig noch international zu bewerben“, sagt Nerger.

Ungeduldig werden langsam auch andere Unternehmen, die von der Love Parade profitieren wollen. „Wir brauchen bald Klarheit, was passiert“, sagt Bahn- Sprecher Achim Stauß. Man wolle sich mit Sonderzügen auf das Ereignis einstellen. „Es ist eine baldige Entscheidung nötig, um unsere Ressourcen zu planen.“

Seitens der Veranstalter hofft man offenbar immer noch auf ein Wunder, das den Umzug retten könnte. Nach dem Absprung des potenziellen Großsponsors Samsung sowie Absagen vieler anderer Konzerne laufen noch Verhandlungen mit anderen Unternehmen, sagt Sünje von Ahn, Assistentin der Love-Parade-Geschäftsführung. Ursprünglich wollte sie Ende März bekannt geben, ob die Parade stattfindet oder nicht, nun verkündet von Ahn, der Tag der Wahrheit komme „Mitte bis Ende nächster Woche“.

Tourismus-Werber Hanns Peter Nerger übt sich derweil in Gelassenheit: Er sei zwar enttäuscht, dass die Veranstalter aus der international bekannten Marke „Love Parade“ nichts gemacht hätten. Aber im letzten Jahr, als der Umzug bereits mangels Sponsoren ausfiel, habe sich das auf die Besucherzahlen Berlins kaum ausgewirkt. Nergers Fazit: „Auch in diesem Jahr wird es die Stadt aushalten, keine Love Parade zu haben.“

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