Berlin : Berlin-Werber will nicht ins Ludwig-Erhard-Haus

Hanns Peter Nerger, Chef der Berlin Tourismus Marketing GmbH, lehnt einen Umzug ins Gebäude der IHK ab

Alfons Frese

Hanns Peter Nerger ist genervt. Schlimmer noch, er fühlt sich schwer unter Druck gesetzt. „Was da gelaufen ist, habe ich überhaupt noch nicht erlebt“, beschreibt der Chef der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) seine Erfahrung mit dem Berliner Wirtschaftsestablishment. Es geht dabei um einen schlichten Vorgang: Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hat Platz in ihrem Ludwig-Erhard-Haus (LEH) in Charlottenburg und wünscht sich die BTM als Mieter. Doch Nerger will nicht: Die Miete ist zu hoch, das Haus nicht schön und die Befürchtung groß, dass auch die BTM irgendwann mit den Fördereinrichtungen fusioniert wird, die bereits im LEH sitzen. Und weil Nerger nicht will, macht die IHK Druck auf ihn. Sagt Nerger.

Stimmt nicht, sagen die IHK-Chefs Eric Schweitzer (Präsident) und Jan Eder (Hauptgeschäftsführer). Sie möchten aus ihrem IHK-Haus ein wirkliches Haus der Wirtschaft machen und deshalb die BTM reinholen. In den vergangenen Jahren haben sich wichtige Institutionen im LEH angesiedelt: Wirtschaftsförderungsgesellschaft, Technologiestiftung, Partner für Berlin. Dazu noch die BTM? „Das wäre eine höchst sinnvolle Sache“, sagt Eder. „Wir wollen alle, die für die Wirtschaft ansprechbar sind, in einem Haus versammeln und kurze Wege schaffen“, beschreibt IHK-Präsident Schweitzer das Ziel. „Unser Punkt ist dabei nicht, das Haus zu vermieten.“

Genau das ist der Punkt, glaubt dagegen Nerger, weil die IHK „stehend k.o. ist“. Richtig ist, dass die Kammer ächzt unter der Belastung des Gebäudes an der Fasanenstraße: viel zu teuer, hohe Betriebskosten, umstrittene Architektur, Defizite in der Funktionalität. Und so mancher schlechte Mietvertrag. So war der Vertrag mit der Telekommunikationsfirma Berlikomm nur für fünf Jahre abgeschlossen. Die sind jetzt rum, das Unternehmen zieht aus, knapp 4000 von insgesamt 18000 Quadratmetern Nutzfläche werden frei. Da käme die BTM der IHK schon sehr gelegen. Aber stehend k.o.? Dummes Zeug, sagt IHK–Chef Eder. Die Kammer habe die Leasingrate für das Haus im Griff und kassiere auch wieder höhere Einnahmen. Und wenn die BTM nicht komme, sei das auch kein Problem; es gebe Interessenten für das Haus.

Dazu gehört die ZAK, die Zentrale Anlauf- und Koordinierungsstelle für Investoren, die derzeit im Haus des Wirtschaftssenators in der Martin-Luther-Straße untergebracht ist. Die 30 Mitarbeiter der ZAK helfen Unternehmen im Kampf gegen Behörden. Die ZAK wird ins LEH umziehen, wenn die bisherigen Mietkosten nicht überschritten werden. Auch für einen möglichen Umzug der BTM sind die Kosten entscheidend. Die marktüblichen Konditionen sollten die einzigen Prämissen bei der Standortauswahl sein, steht im Protokoll einer BTM-Aufsichtsratssitzung vom13. Mai.

Einige Tage vor jener Sitzung bekam die BTM von der IHK ein Angebot für Flächen im Ludwig-Erhard-Haus – nachdem die BTM darum gebeten hatte. Auf der Aufsichtsratssitzung präsentierte Nerger dann überraschend eine bereits von ihm unterzeichnete „Absichtserklärung“ für eine Bahnimmobilie am Halleschen Ufer. Der Aufsichtsrat blies daraufhin das gesamte Umzugsmanöver ab – auf Wiedervorlage im Mai 2005.

Es gibt auch keinen Grund zur Eile, der jetzige Mietvertrag der BTM läuft bis Ende 2005. Und die Preise fallen weiter, und Nerger wird – wo auch immer – in den kommenden Jahren günstiger Quartier nehmen können als bislang Am Karlsbad, wo die BTM nach Nergers Angaben rund 18 Euro für den Quadratmeter zahlt. Die IHK, so ist zu hören, soll mit ihrem Angebot einige Euro darunter liegen. Was aber immer noch um 44000 Euro pro Jahr über dem Alternativangebot am Halleschen Ufer liegt, sagt Nerger. Er will einfach nicht ins LEH („Das Haus gefällt mir nicht.“), aber er weiß auch, dass der Aufsichtsrat entscheidet.

Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende ist Wirtschaftsstaatssekretär Volkmar Strauch. „Wenn die Konditionen stimmen, ist es sinnvoll, alle Einrichtungen der Wirtschaftsförderung unter einem Dach zu vereinen“, sagt Strauch. Er meint das Dach des LEH. Eine Fusion der BTM mit der Wirtschaftsförderung sei aber „auf gar keinen Fall beabsichtigt“, sendet Strauch Beruhigungssignale Richtung Nerger. An dessen Seite steht Aufsichtsratschef Dietmar Otremba. Der Immobilienunternehmer repräsentiert die Berliner Hotellerie, die mit 40 Prozent an der BTM beteiligt ist. „Das können Sie vergessen“, sagt Otremba knapp über einen Umzug ins LEH. Aber Otremba ist auch Aufsichtsratsvorsitzender von Alba – der Firma des Kammerpräsidenten Schweitzer. Hat etwa Otremba in dieser Angelegenheit Druck auf Nerger ausgeübt? Im nächsten Mai entscheidet der Aufsichtsrat. Noch viel Zeit für die IHK, ein unschlagbares Angebot vorzulegen.

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