Berlin : Werbung für das Prostituierten-Zentrum

Der Betreiber verteidigt seine Pläne für das "Laufhaus" in der Potsdamer Straße: Dieses sei auch ein Mittel gegen den Straßenstrich.

Rainer W. During

BerlinDer Betreiber des an der Potsdamer Straße geplanten „Laufhauses“ für Prostituierte will um die Baugenehmigung kämpfen. Neben rechtlichen Schritten startet er jetzt eine Öffentlichkeitskampagne für das Projekt. Das Bezirksamt Tempelhof- Schöneberg hatte die Erlaubnis nach heftigen Anliegerprotesten wegen Unvereinbarkeit mit der Umgebung versagt.

Zwei Bodyguards sicherten am Dienstag den Veranstaltungsraum im Hotel Berlin. Nur angemeldete Gäste oder Besitzer von Presseausweisen bekamen Zutritt. Drinnen stellte sich Ismail Karaca als Mieter von vier Etagen des ehemaligen Wegert-Hauses an der Ecke Kurfürstenstraße vor. Der 44-Jährige lebt nach eigenen Angaben seit 39 Jahren in Berlin und betreibt mit seiner Frau die Tabledance-Bar „Rush Hour“ in der Trautenaustraße.

Ein Laufhaus sei kein Großbordell, betonte Rechtsanwalt Leander Gast. Im Wegert-Haus sollen bis zu 48 Zimmer entstehen, die Prostituierte für 20 Euro am Tag mieten können, um ihrem Gewerbe nachzugehen. Um Schaulustige abzuhalten, sollen Besucher fünf Euro Eintritt zahlen. Auf eine erste Anfrage habe man beim Stadtplanungsamt gesagt: „Wenn nicht hier, wo dann.“ Erst nach Zeitungsberichten und Anwohnerprotesten habe das Bezirksamt seine Meinung geändert, sagte Karaca. Rechtsanwalt Gast habe gegen die Ablehnung Widerspruch eingelegt. Rechtlich gebe es keinen Verweigerungsgrund, ist dieser überzeugt.

Karaca räumte ein, dass er mit der Zimmervermietung Geld verdienen will. Dass Laufhäuser nach Erfahrungen anderer Städte den Straßenstrich ausdünnen, sei aber ein positiver Effekt für den Bezirk. Er könne deshalb die Aufregung nicht verstehen und wolle die sachliche Diskussion auch mit den Anwohnern suchen, sagte Karaca. Auf der Straße würden oft illegale oder drogensüchtige Prostituierte ihrer Tätigkeit seit Jahrzehnten vor den Augen von Kindern nachgehen, Kondome und Spritznadeln landeten in Gebüschen. In seinem Haus dagegen dürften nur Frauen mit Aufenthaltserlaubnis und Gesundheitszeugnis hinter verschlossenen Türen arbeiten. Selbst die Polizei, mit der man zusammenarbeiten wolle, würde das Laufhaus befürworten. Jetzt lässt Karaca 100 000 Faltblätter verteilen, in denen auf die Vorteile seines Plans verwiesen wird. 

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