Berlin : Wieder Krawalle vor dem 1. Mai

Bei den Walpurgisfeiern am Vorabend des 1. Mai hat es in Berlin auch in diesem Jahr einzelne Krawalle gegeben. Nach Polizeiangaben wurden in der Nacht zum Sonntag 65 mutmaßliche Randalierer festgenommen. Weitere 46 Störer erhielten Platzverweise. (01.05.2005, 13:28 Uhr)

Berlin - Drei Polizisten erlitten leichte Verletzungen. Ein Funkwagen sowie ein Wartehäuschen der Verkehrsbetriebe wurden beschädigt. Insgesamt verliefen die Feiern aber deutlich friedlicher als in den vorangegangenen Jahren. Ein Polizeisprecher nannte als Gründe vor allem das Flaschen- und Dosenverbot, den Einsatz von Antikonflikt- Teams der Polizei und die Beleuchtung der Veranstaltungsorte im Mauerpark in Prenzlauer Berg sowie am Boxhagener Platz in Friedrichshain.

Die Polizei, die mit weit mehr als 1000 Beamten im Einsatz war, äußerte sich sehr zufrieden. Die Beamten hätten sich zurückgehalten so lange es ging, dann aber konsequent eingegriffen, hieß es. Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch hatte sich gegen 21.00 Uhr bei einem Rundgang mit den Einsatzleitern der Polizei und Politikern am Boxhagener Platz selbst ein Bild von der Lage gemacht.

Für den 1. Mai haben sich die Sicherheitskräfte ebenfalls auf Krawalle eingestellt. Die Behörden hoffen allerdings, dass wie schon im vergangenen Jahr ein weitläufiges Straßenfest am Mariannenplatz in Kreuzberg mit tausenden von Anwohnern die Situation beruhigt. Immer mehr Kreuzberger haben genug von den jährlichen Verwüstungen und wollen die Randalierer mit dem Fest verdrängen. Geschäftsleute sicherten auch in diesem Jahr vorsorglich ihre Schaufenster mit Span- und Eisenplatten gegen Steinwürfe.

Sorge bereitet der Polizei allerdings, dass die Organisatoren der erstmals abgesagten abendlichen «Revolutionären 1. Mai-Demonstration» ihre Anhänger aus der linksradikalen Szene aufgerufen haben, sich massiv unter die Besucher des «Myfestes» auf dem Mariannenplatz zu mischen. Außerdem haben sie zu einer Kundgebung um 18.00 Uhr aufgerufen. Der Polizeipräsident wertete dies als Störungsversuch.

Keine Ausschreitungen erwarten die Behörden von einer so genannten Revolutionären 1. Mai-Demonstration am Sonntagmittag, zu der maoistische und kurdische Gruppen aufgerufen haben.

Am Boxhagener Platz im Stadtteil Friedrichshain bewarfen nach einer friedlichen Kundgebung linksradikaler Gruppen gegen «Yuppisierung und Umstrukturierung» und mehreren Konzerten etwa 40 Vermummte Polizisten immer wieder mit Flaschen. Ein Feuer aus Kleidungsstücken und Holzbalken von einer Baustelle wurde schnell von der Polizei gelöscht. Beamte mit Helmen und Schutzkleidung nahmen gezielt Randalierer fest. Als die Flaschenwürfe nicht aufhörten, räumten die Beamten gegen Mitternacht das Gelände. Auch in der Grünberger Straße kam es zu Flaschen- und Steinwürfen.

Am Mauerpark blieb es bei einem friedlichen Volksfest mit rund 1000 Menschen. Dort war es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Randalierern und der Polizei gekommen Die Gewalt eskalierte vor zwei Jahren, als in der Walpurgisnacht 175 Polizisten zum Teil durch Steinwürfe verletzt wurden.

Schon seit Samstagmorgen galt am Mauerpark und am Boxhagener Platz Parkverbot, um zu verhindern, dass Autos angezündet wurden. Auch Flaschen und Dosen waren verboten. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und der Polizeipräsident hatten angekündigt, das Konzept der Deeskalation fortzusetzten, gegen Störer aber hart vorzugehen.

In Berlin kommt es sei 1987 zum 1. Mai immer wieder zu Krawallen. Seit einigen Jahren gibt es bereits am Vorabend regelmäßig Auseinandersetzungen zwischen Randalierern und der Polizei. Dabei ist der anfängliche politische Protest immer mehr zu reinen Gewaltausbrüchen übergegangen. Im vergangenen Jahr brannten in Kreuzberg zwar auch Barrikaden. Erstmals seit Jahren konnte die Gewalt aber eingedämmt werden. Die Sicherheitskräfte werteten dies als Erfolg des «Konzepts der ausgestreckten Hand», mit dem eine Deeskalation erreicht werden soll. (tso) (tso)

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