Berlin : Berlin will die Buchmesse aus Frankfurt holen

Nach München und Köln bietet sich jetzt auch die Hauptstadt als alternativer Standort an

Andreas Conrad

Als möglicher Ort für die umzugswillige Frankfurter Buchmesse ist nun auch Berlin im Gespräch. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, in deren Zuständigkeit die Messe Berlin fällt, bestätigte entsprechende Kontakte. Die Buchmesse wird im Senat als „superdicker Fisch“ angesehen, wie Senatssprecher Michael Donnermeyer formulierte. Wegen der hohen Standgebühren und Hotelkosten ist der Direktor der Buchmesse, Volker Neumann, mit dem traditionellen Standort in der Main-Metropole unzufrieden und sucht seit Monaten nach Alternativen.

Seit Anfang des Jahres war in der Diskussion um einen möglichen Weggang aus Frankfurt immer wieder der Name München gefallen, dann wurde Köln als Bewerber bekannt, auch von Hannover ist die Rede. „Wir verhandeln mit einer Reihe von großen Plätzen“, sagte ein Sprecher der Buchmesse gestern, ohne neue Namen zu nennen. Frankfurt habe weiter Priorität, es bestehe auch kein Zeitdruck, doch schaue man sich nach „interessanten Angeboten“ um. Eines kommt offenbar aus Berlin.

Der Sprecher der Senatswirtschaftsverwaltung, Christoph Lange, wertet die Liebäugelei der Buchmesse mit einem neuen Standort als Gelegenheit für Berlin. „Es gibt Kontakte und Gespräche, ich will aber keine Einzelheiten nennen“, sagte er dem Tagesspiegel. Man könne sich eine Berliner Buchmesse grundsätzlich sehr gut vorstellen, es hänge zunächst einmal davon ab, ob der Wunsch umzuziehen wirklich bestehe. Die Hotelkapazitäten seien hier jedenfalls vorhanden, dazu viele interessante Orte, die sich für Verlagspräsentationen eignen. Bei Berlin denke man nicht sofort an Verlage, doch liege die Stadt mit 7659 Erstauflagen im Jahr 2001 an zweiter Stelle in Deutschland, hinter München mit 11 614 Titeln.

Ingrid Wagner-Kantuser, Literaturreferentin in der Senatskulturverwaltung, sagte, dass Berlin anders als vor dem Krieg leider nicht mehr Verlagshauptstadt, doch immerhin Hauptstadt der Autoren sei. Rund 60 Prozent der deutschen Mitglieder des PENSchriftstellerverbandes lebten hier.

Auch in Berliner Verlagskreisen würde ein Umzug natürlich begrüßt, schon um die hohen Hotelkosten zu sparen, wie Ulrich Hopp, Geschäftsführer des be.bra.-Verlags, offen eingestand. Es sei in Frankfurt immer schwierig gewesen, bezahlbare Zimmer zu bekommen. Bis nach Mainz und Wiesbaden musste man ausweichen. Zugleich verwies er auf die hohe Zugkraft, die Berlin international habe. Dies sei gerade in Hinblick auf den 11. September wichtig, nach dem zahlreiche ausländische Verlage sich aus Frankfurt zurückzogen und nicht mehr zurückkamen.

Schon in West-Berlin hatte es lange Zeit eine Internationale Buchmesse gegeben, die aber Ende der siebziger Jahre einschlief. Die Umzugsfrage steht und fällt mit den Kapazitäten, die eine Stadt zu bieten hat. Rund 175 000 Quadratmeter nutzt die Buchmesse in Frankfurt, vor zwei Jahren waren es 182 000 Quadratmeter. Die Berliner Messe hat 160 000 Quadratmeter zu bieten, dazu kommen 5500 Quadratmeter auf den Foyerebenen des ICC. Auch der traditionelle Termin in der ersten Oktoberhälfte wäre 2004/05 frei. Selbst in diesem Jahr – aber das steht nicht zur Diskussion – wäre Platz: zwischen Art Forum und Venus-Messe.

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