Berlin : Berlin will Geld für Polizei-Azubis

Andere Länder sollen für den übernommenen Nachwuchs zahlen

Otto Diederichs

Berlin hat hunderte Polizeischüler ausgebildet, sie dann aber wegen Stellenmangels nicht eingestellt. Andere Bundesländer nahmen sie mit Kusshand – jetzt sollen sie dem Land Berlin die Ausbildungskosten ersetzen. Das hat Innensenator Ehrhart Körting (SPD) gefordert. Bei seinen Amtskollegen in München und Hamburg stößt er damit auf Unverständnis. Die Innenverwaltungen von Hamburg und Bayern bestätigten dem Tagesspiegel gestern auf Anfrage Körtings Vorstoß. Danach hat Körting gebeten, „die Möglichkeit einer Entschädigung“ für die von Berlin aufgewendeten Ausbildungskosten zu prüfen. Nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei betragen diese pro Kopf rund 100 000 Euro.

Bayerns Innenminister Günther Beckstein hat das Berliner Ansinnen bereits abgelehnt, und auch aus Hamburg ist nicht zu erwarten, dass Innensenator Ronald Schill positiv auf den Bettelbrief reagiert. „Wir sehen das sehr gelassen“, sagt sein Sprecher Mark März. Eine Vereinbarung zur Beteiligung an den Ausbildungskosten gibt es zwar mit dem Bundesinnenministerium, nicht aber mit den Bundesländern. Körtings Anfrage an seine Kollegen sei „insbesondere aus Sicht der finanziellen Situation Berlins“ gestellt worden, heißt es aus der Berliner Innenverwaltung lediglich. Von den 185 Jungpolizisten, die im Februar dieses Jahres ihre Ausbildung beendet haben, hatte Berlin selbst lediglich 74 eingestellt.

Andere Azubis waren daraufhin zum Bundesgrenzschutz (BGS), dem Bundeskriminalamt und zu anderen Polizeien abgewandert. Mit bislang 168 gingen die meisten nach Hamburg, bis zum Jahresende 2003 sollen es nach Auskunft von Mark März rund 500 werden. Weitere hatten ihren Dienst in Bayern (13), Baden-Württemberg (4), Hessen (2), Schleswig-Holstein (1) und beim BGS (5) angetreten.

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