Berlin : Berlin will Olympia - aber nur zum Nulltarif

Lars von Törne

Die Frage einer erneuten Olympiabewerbung Berlins ist zwischen den möglichen künftigen Koalitionspartnern umstritten. Die Meinungen scheiden sich vor allem an der Einschätzung, ob eine Bewerbung für die Olympischen Spiele 2012 ohne öffentliche Mittel realistisch ist - oder zum Zuschussgeschäft für das ohnehin tief verschuldete Land werden könnte.

Während die SPD sich - wie auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit - für eine mit privaten Geldern finanzierte Kandidatur ausspricht, äußern sich die Grünen skeptisch, ob eine Bewerbung am Ende nicht doch das Milliarden-Loch in der Landeskasse vergrößert. Auch aus der FDP sind skeptische Stimmen zu hören. Die Olympia-Frage dürfte bei den anstehenden Gesprächen über eine Ampelkoalition eine Rolle spielen. Die oppositionellen Christdemokraten sehen in dem Thema gar einen "potenziellen Sprengsatz" für die Verhandlungen, wie CDU-Sportpolitiker Michael Borgis sagt.

Einig sind sich alle drei möglichen Regierungsparteien darin, dass Berlin sich nur bewerben sollte, wenn dafür keine öffentliche Mark aufgewendet werden muss. Das sei eine der Lehren aus der gescheiterten Bewerbung für die Spiele 2000, sagt die grüne Sportpolitikerin Claudia Hämmerling. "Die Bewerbung darf nicht noch einmal zu einem Projekt werden, bei dem am Schluss viel staatliches Geld in private Taschen fließt." Die Ankündigung von IHK-Präsident Werner Gegenbauer, die nationale Bewerbung durch Spenden der Berliner Wirtschaft zu finanzieren, hält sie für unrealistisch: "Für so etwas hat derzeit kein Unternehmer das Geld übrig." Sollte es wider Erwarten doch eine gesicherte Finanzierung mit privaten Mitteln gebe, würden die Grünen - die beim letzten Versuch noch zu den vehementen Gegnern gehörten - die Bewerbung allerdings unterstützen, stellte Hämmerling klar.

Auch der FDP-Abgeordnete Axel Hahn verweist auf das Desaster im Rennen um die Spiele 2000. "Damals war ein Großteil des Geldes aus öffentlichen Kassen gekommen, weil die private Unterstützung nicht groß war - ich bin skeptisch, ob das diesmal anders sein wird." Eine erneute Bewerbung mache nur Sinn, wenn es verbindliche Zusagen der Wirtschaft gebe, dass tatsächlich alle erforderlichen Gelder aus privaten Kassen kommen - "bis hin zu den Schmiermitteln für die IOC-Potentaten".

"Bei uns ist die Stimmung unverändert pro Olympia", sagt hingegen Karin Seidel-Kalmutzki, sportpolitische Sprecherin der SPD. "Eine Bewerbung würde der Stadt einen enormen Image-Gewinn bescheren." Sie hält es für realistisch, ohne öffentliche Gelder auszukommen. "Wir haben das Olympiastadion saniert, neue Sportstätten gebaut - da muss es möglich sein, das jetzt mit Hilfe aus der Wirtschaft zu schaffen, ohne den Haushalt weiter zu belasten."

Aus Sicht der früheren Anti-Olympia-Aktivistin und Ex-Grünen Judith Demba ist die Diskussion um eine erneute Bewerbung schlicht absurd: "Angesichts der Hoffnungen auf eine private Finanzierung habe ich den Eindruck, alle Beteiligten leiden an Amnesie." Sie erinnert daran, dass auch bei der letzten Bewerbung die Olympia Marketing GmbH private Gelder akquirieren sollte - "und am Ende wurde sogar deren Geschäftsführer von der öffentlichen Hand bezahlt."

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