Berlin : Berlin wird sicherer: Mehr Fahnder setzten Kriminellen zu

Die Zahl der Straftaten sinkt in diesem Jahr – das ist auch ein Erfolg der Sonderermittlungsgruppen der Polizei

Fatina Keilani,Werner Schmidt

Von Fatina Keilani

und Werner Schmidt

Autoklau – minus 20 Prozent. Wohnungseinbrüche – minus elf Prozent, in manchen Bezirken sogar 50 bis 60 Prozent weniger. Verstöße gegen das Ausländer- und das Asylverfahrensgesetz – minus 18 Prozent. Das sind vorläufige Zahlen aus der Kriminalstatistik dieses Jahres und sie bergen eine gute Nachricht: Die Kriminalität ist in Berlin gesunken. Das ist auch das Ergebnis einer strafferen Organisation der Polizei und ihrer Arbeit.

Offizielle Zahlen liegen zwar noch nicht vor; Polizei und Innenverwaltung erwarten aber für das Gesamtjahr 2003 eine erfreuliche Bilanz. Polizeipräsident Dieter Glietsch sagte dem Tagesspiegel: „Es gibt einen erkennbaren Rückgang der Kriminalität, und zwar in allen Bereichen.“ Der Rückgang liege insgesamt bei etwa vier Prozent.

Diesen Erfolg kann Glietsch auch erklären. Für Einbrüche in Wohnungen und Einfamilienhäuser gebe es eine gemeinsame Ermittlungsgruppe mit dem Land Brandenburg. So sei es gelungen, viele reisende Einbrecher und Hehler festzunehmen und auf einen Schlag eine Vielzahl an Einbrüchen zu klären. Ähnlich sehe es bei Autodiebstählen aus, die weiter zurückgegangen sind – allerdings konzentrieren sich die Banden zunehmend auf Luxuswagen.

Es gibt rund 20 Sonderermittlungsgruppen bei der Polizei; manche arbeiten länderübergreifend, andere mit dem Bundesgrenzschutz. Sie konzentrieren sich jeweils auf einen Deliktbereich – seien es Graffiti, Hooligans, Rechtsextremisten, jugendliche Intensivtäter, Menschenhändler oder staatenlose kriminelle Libanesen, um nur einige zu nennen. Keine dieser Ermittlungsgruppen ist eine Dauereinrichtung; wenn das jeweilige Problem gelöst ist, wird die Gruppe aufgelöst.

Das Konzept der Ermittlungsgruppe (EG) ist erfolgreich, weil sich die Beamten auf ihre Aufgabe konzentrieren können – ohne Rücksicht auf die täglichen Routineaufgaben. In der EG Banjug (für Jugoslawische Bandenkriminalität) arbeiten Berliner und Brandenburger Polizisten Hand in Hand. Mit großem Erfolg: Die Einbruchsquote sank um durchschnittlich 18 Prozent in beiden Ländern. Eine andere Ermittlungsgruppe widmet sich der kriminellen Türsteherszene. Ob eingebürgerte Ausländer die deutsche Staatsbürgerschaft erschlichen haben, prüft die „GE Ident“ – überführte Kriminelle können dann in ihr Heimatland abgeschoben werden.

Unterstützt wird die Arbeit durch die Organisationsreform der Polizei. Ganze Hierarchieebenen wurden abgeschafft, mehrere hundert Mitarbeiter widmen sich jetzt wieder der Verbrechensbekämpfung und Vorbeugung. „Wir haben fast 200 Mitarbeiter zurückgebracht in die operative Arbeit, und die Reform ist noch nicht abgeschlossen“, sagte Glietsch. Dass die günstigen Zahlen schon ein Erfolg dieser neuen Strukturen seien, glaubt der Polizeipräsident aber nicht: „Das zu behaupten wäre vermessen.“

Neu ist auch das Präventionskonzept gegen die Jugendgewalt. Statt wie bisher 35 kümmern sich künftig 85 Mitarbeiter um Vorbeugung. Davon profitieren auch die Schulen, wo die Zahl der Gewalttaten im vergangenen Schuljahr stark gestiegen ist. Schulen mussten bisher auf ein Anti-Gewalt-Training der Polizei lange warten. „Das können wir jetzt auf eine breitere Basis stellen und die Wartezeiten deutlich verkürzen“, sagt Polizeipräsident Glietsch.

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