Berlin : Berlin wird zur Top-Adresse der Berater-Branche

Alle Internationalen Unternehmen sind in der Stadt: Öffentliche Aufträge und die Ost-Erweiterung der EU locken

Claudia Keller

Berlin wird die Hauptstadt der Unternehmensberater. Die Top Ten der internationalen Berater-Branche haben in den vergangenen zwölf Monaten ihre Berliner Büros ausgebaut und neue Geschäftsbereiche geschaffen. Die Unternehmensberatung Cap Gemini Ernst & Young hat sogar die Firmenzentrale von Stuttgart nach Berlin verlegt. Die Bilanz sieht glänzend aus: Die großen Beraterfirmen holen Großaufträge von der Regierung, den Länderverwaltungen und den Parteien. Außerdem floriert das Geschäft mit Osteuropa.

Die Unternehmensberatung Roland Berger erwirtschaftet mit Aufträgen aus dem öffentlichen Sektor mittlerweile über zehn Prozent des Gesamtumsatzes. Tendenz steigend. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG erwartet von ihrem neu gegründeten Berliner Bereich „Infrastructure & Government“ auch für die nächsten Jahre „deutliche Wachstumsraten“. Der Standort Berlin ist für Ulrich Maas, der diesen Bereich leitet, „entscheidend“, denn die Hauptstadt ist das „Tor zum öffentlichen Sektor“. So sieht es auch Antonio Schnieder, der die Firmenzentrale von Cap Gemini Ernst & Young im Kranzler Eck lenkt. „Die Hauptstadt ist der Ort politischer Entscheidungen. Da müssen wir dabei sein. Wir wollen unseren Bereich der Behörden- und Verwaltungsberatung weiter verstärken.“ Begehrt sind Aufträge aus den Wirtschafts- und Finanzministerien und von den Parteien. McKinsey berechnet gerade für die CDU, wie teuer es wäre, in der Bundesrepublik eine Grundrente einzuführen, die KPMG durchleuchtet die FDP. Für Bundeskanzler Schröder haben McKinsey-Berater Gutachten zu Firmenübernahmen in Europa geschrieben. Expertisen zur Steuer- und Gesundheitsreform, zu Public-Private-Partnership-Projekten im Wirtschaftsministerium und zur Umstrukturierung des öffentlichen Dienstes spülen Millionen in die Kassen der Beraterfirmen. Bei „Business Breakfasts“ und „Kamingesprächen“ werden die Kontakte zu den Ministern geknüpft. „Neulich war Finanzminister Eichel da, ein anderes Mal Wirtschaftsminister Clement“, sagt Schnieder von Cap Gemini Ernst & Young.

Auch die hoch verschuldete Hauptstadt selbst hat Beratungsbedarf. Roland Berger hat den Berliner Verkehrsbetrieben professionellen Rat gegeben, McKinsey ein Gutachten zur Privatisierung der Messe erstellt. Durch den Wettbewerb unter den Ländern und Kommunen sei das Know-how der Unternehmensberater künftig noch gefragter, heißt es bei Roland Berger. Und der Weg in die Ländervertretungen ist in Berlin kurz.

Für die internationalen Berater ist Berlin außerdem das Tor zu Osteuropa. Der EU-Beitritt von Polen werde wichtige Impulse bringen, schätzt Antonio Schnieder. „Schon jetzt wachsen unsere Geschäfte mit Polen von Jahr zu Jahr.“ Die polnische Wirtschaft habe „extrem“ expandiert. Man habe zwar auch Büros in Polen. Aber gelenkt werden die Geschäfte von hier, zumal auch viele polnische Unternehmen Zweigstellen in Berlin haben. Eines allerdings erschwere das Geschäft, so Schnieder: dass es keine Direktflüge nach Krakau gebe und nur selten welche nach Warschau und Prag.

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