Berlinale Cart Cup : Auf Schumis Spuren

Am Rande der Berlinale gaben Stars auf der Kartbahn Gas. Fünf Strecken gibt es in der Stadt. Seit sechs Jahren ist das Rennen der Stars ein fester Bestandteile des Festival-Programms.

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Jenseits des roten Teppichs. Beim Berlinale Cart Cup in Hohenschönhausen fuhren Schauspieler, Regisseure und Produzenten um den Sieg.
Jenseits des roten Teppichs. Beim Berlinale Cart Cup in Hohenschönhausen fuhren Schauspieler, Regisseure und Produzenten um den...Foto: DAVIDS

An Peter Baumann kam keiner vorbei. Der Beatsteaks-Gitarrist donnerte beim Berlinale Cart Cup am Mittwochabend am schnellsten über die Kartbahn in Hohenschönhausen und gewann die Gesamtwertung. Ob ihn der erfolgreiche Start des neuen Albums seiner Band beflügelt hat oder ob’s einfach Können war? Immerhin hatte Baumann schon im vergangenen Jahr gewonnen. Dementsprechend ehrgeizig ging er auf die Strecke: „Schon am Start wusste ich, dass es ein harter Kampf wird, doch als Titelverteidiger gibt man auf keinen Fall auf.“

Abseits von den roten Teppichen der Berlinale tauschten Schauspieler, Produzenten, Regisseure und andere mehr oder weniger Prominente die Abendgarderobe gegen Jeans und die bequemen Kinosessel gegen die Hartschalensitze der Karts. Das Rennen gehört seit sechs Jahren zu den Randveranstaltungen der Filmfestspiele. Schauspielerin Jessica Schwarz fuhr bereits im Vorjahr mit, blieb aber chancenlos. „Frauen und Männer mussten zusammen fahren, da hab’ ich ganz schön gewettert“, beschwerte sie sich. Nun gab es erstmals einen Preis für die schnellste Frau, den Schwarz auch gleich einheimste. „Mein Berlinale-Highlight“, freute sich die 33-Jährige. Weit entfernt vom Siegertreppchen blieb Schauspieler und Sänger Wilson Gonzalez Ochsenknecht. Und Schauspielerin Hannah Herzsprung wollte lieber gar nicht fahren und fieberte vom Streckenrand mit, während Nachrichtenmoderatorin Dunja Hayali wegen einer kleinen Verletzung passen musste.

Jessica Schwarz holte den Sieg bei den Frauen.
Jessica Schwarz holte den Sieg bei den Frauen.Foto: dpa

Auf den Berliner Kartbahnen ist nicht immer so viel los wie beim Berlinale Cup. Die Szene in der Stadt ist klein, Bahnen gibt es nur noch fünf. „Das Interesse ist noch da, aber der große Boom ist weg“, sagt Stephan Sieber, stellvertretender Geschäftsführer von Kart-World im Spandauer Industriegebiet Am Juliusturm. Seit Michael Schumacher seinen Formel-1-Renner zwischenzeitlich in die Garage gestellt hatte, komme vor allem im Sommer wenig Geld rein. Wenn es draußen heiß ist, will kaum jemand mit Helm in der Halle seine Runden drehen.

Auf den Berliner Bahnen wird mit Leihkarts gefahren. Die semiprofessionellen Rennen mit eigenen Flitzern finden auf Strecken in Brandenburg statt. Viele Fahrer träumen von einem Weg in die Formel 1, wie es Michael Schumacher und Sebastian Vettel vorgemacht haben. Auch in Spandau trainierten schon Nachwuchsrennfahrer, die es dann bis in die Formel 3 geschafft haben.

In den Karthallen geht es ab zehn Euro für zehn Minuten los. Rechtzeitig anbremsen, in der Kurve Gas geben, an der Leitplanke entlang die Ideallinie suchen – das Prinzip ist schnell verinnerlicht. Dass sich das Lenkrad schwerer als bei modernen Autos bewegen lässt, ist Nebensache. Es riecht nach Abgasen und Benzin, die Reifen quietschen, der Motor röhrt auf. Ein Mix aus Ernüchterung und Ehrgeiz kommt auf, wenn die Rundenzeiten auf der Anzeigetafel unmissverständlich klarmachen, dass die Streckenrekorde erst einmal unerreichbar sind. Die Minuten vergehen ruckzuck, schon wird am Streckenrand die Zielfahne geschwenkt.

Gib Gummi! Beim Cart-Rennen ging Wilson Gonzalez Ochsenknecht leer aus.
Gib Gummi! Beim Cart-Rennen ging Wilson Gonzalez Ochsenknecht leer aus.Foto: dpa

Nur 6,5 PS leisten die Karts in Spandau. „Die Leute denken, das sei nicht viel, aber da steckt richtig Power hinter“, sagt Stephan Sieber. Die Karts können auf der Geraden bis zu 65 Stundenkilometer schnell werden, Anfänger erreichen vielleicht knapp die Hälfte. Vor allem Jugendliche würden sich überschätzen, zu schnell über die Strecke donnern und falsch oder gar nicht bremsen, sagt Sieber. Dann knallt’s, entweder in die Absperrung oder in die Karts der Mitfahrer – ganz zum Ärger des Chefs. „Viele denken, das hier wäre Autoscooter“ sagt Sieber. Doch wer Rowdy spielen will, fliegt raus. Unfälle gebe es kaum. Manchen werde aber so übel, dass sie sich übergeben müssten.

Besonders beliebt bei den Berlinern sind Kindergeburtstage, allein in Spandau wurden im vergangenen Jahr über 1000 gefeiert. In der Bar neben der Strecke hängen signierte, unter dem Helm getragene Schutzhauben, die verraten, dass hier schon Rapper Sido, Robbie Williams und Cameron Diaz Gas gegeben haben. Schumi spielen macht eben jedem Spaß.

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