Berlin : Berlinale-Parties: Mit der Pelzkappe in die Tropen

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Wo sind sie bloß alle, die Stars? Mehr Medienrummel als Filmschaffende gab es offenbar bei der Party im Anschluss an die Panorama-Aufführung des Films "Zoom". Im weitläufigen und rappelvollen Club 103 in der Oranienburger Straße konnte man in der Nacht zu Freitag nur mit viel Glück ein paar Schauspieler als solche identifizieren. Kein Wunder, bei der Party-Konkurrenz. Trotzdem eine lustige Veranstaltung in entspannter Atmosphäre, zu der auch die Stammgäste des Clubs eingeladen waren. "Zoom" ist ein teils in Berlin fabrizierter Film von Regisseur Otto Alexander Jahrreis mit Florian Lukas und Oana Solomon in den Hauptrollen. Letztere kam nur ganz kurz zur Feier des Filmes: Oana Solomon ist schwanger, und das bereits einige Tage über den errechneten Geburtstermin. Auch der werdende Vater, Otto Alexander Jahrreis, ließ sich nur kurz blicken. In "Zoom" spielt Oana Solomon die Prostituierte Wanda, die gemeinsam mit ihrem schüchternen Nachbarn Waller, dargestellt von Florian Lukas, ihre Freier erpresst. Lukas hatte 2000 den "New Faces Award" bekommen. "Zoom" ist der erste deutsche komplett digital nachproduzierte Film. oom

Also, das hat nun wirklich Stil: Einige hundert Festivalgäste, die sich nach und nach auf dem Empfang der argentinischen Botschaft im Ballsaal des Hyatt einfinden, und wirklich jeder wird zweimal mit Handschlag begrüßt, erst von Maximiliano GregorioCernadas, dem amtierenden Geschäftsträger, dann von der Frau an seiner Seite, der charmanten Cecilia Scalisi. Anlass der Einladung: der Wettbewerbsbeitrag "La Ciénaga". Serviert würden argentinisches Rindfleisch und argentinischer Wein, hatte es auf der Einladung geheißen - und das in diesen wahnsinnigen Zeiten! Nur wo, nach all dem Gedränge am Buffet, liegen nun Messer und Gabel versteckt? Soll man wie ein Goucho mit den Fingern schlingen? Nein, nicht vor den Augen der schönen Cecilia. Doch da - heureka - endlich das Werkzeug. Europa und dein verrückter Stier, ihr könnt uns mal. ac





Kein Handschlag diesmal, statt dessen wird man abgehakt auf der Gästeliste, erhält ein Plastikband ums Handgelenk. Wie in der Disco, was ja auch passt, denn die Twentieth-Century-Fox feiert Steven Soderberghs "Traffic" im Rive Gauche in der Friedrichstraße, direkt am Ufer der Spree. Eine etwas schwüle Atmosphäre, was nicht nur am Gedränge liegt. Die Dekolletés eindeutig offensiver, die Schultern nackter, die Haarmähnen blonder. Auch Shawne Borer-Fielding ist mit dabei, heute wieder sehr verwegen gekleidet. Ariane Sommer ist sowieso da.

Statt wie in Argentinien sollen wir uns nun also wie in Mexiko fühlen. In den Ecken stehen Plastikkakteen, dazu sind rote Hydrokultursteinchen darpiert - für eine Ahnung von Wüstenboden, dazu ein paar Holzkisten - das muss der Fantasie am heutigen Abend genügen. Der VIP-Bereich von zwei kräftigen Kerlen abgeschirmt: Michael Gwisdek wird dort nach einer Ehrenrunde durchs Volk verschwinden, Hannelore Elsner und Helmuth Karasek kommen, Christiane Paul plaudert mit Cherno Jobatey. "Quills"-Regisseur Philip Kaufman hat seinen Marquis de Sade mitgebracht, Geoffrey Rush.

Nach anfänglicher Motivflaute finden Fotografen und Kameraleute jetzt also doch noch lohnende Objekte, müssen sich nicht mehr an die bereitwillig Schnuten ziehende Dame halten, die mit ihrem Pelzkopfschmuck in diesem tropischen Klima schon etwas seltsam wirkt. Einer hatte vor Begeisterung sogar den Halt verloren und war ihr samt Kamera, was im Gewühl nicht weiter auffiel, fast in den Schoß gefallen: Und Äktschen!

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