Berlin : Berliner Abschied

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STADTMENSCHEN

Neulich, bei der Verabschiedung eines Verbandspräsidenten, musste sich Thomas Hertz neun Reden anhören, fast zwei Stunden mehr oder weniger gleichlautende Elogen. Diese Erfahrung in den Knochen, wünschte sich Hertz zum eigenen Abschied am Donnerstagabend vor allem kurzweilige Statements. Und wer könnte das bessser als IHKPräsident Werner Gegenbauer . In einer langen, aber nicht langweiligen Rede würdigte Gegenbauer die Arbeit von Hertz, der fast 13 Jahre die Industrie- und Handelskammer zu Berlin als Hauptgeschäftsführer durch wechselhafte Zeiten steuerte. Mit „Kompetenz, Fairness und Glaubwürdigkeit“ habe Hertz nach der Wende die Kammern der beiden Stadthälften zusammengeführt, die IHK zum Dienstleister für die Unternehmen entwickelt und auch die schwierigen Jahre nach 1997, als das viel zu teure Ludwig-Erhard-Haus den Spielraum der Kammer einschränkte, bestmöglich gemanagt. Sogar die Angst vor den „Postkommunisten“, wie Gegenbauer die PDS-Senatoren nannte, habe Hertz, der einst das Büro von Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff leitete, im Laufe der Zeit abgebaut. Enge Mitarbeiter von Hertz erinnerten an die nicht unproblematische Annäherung des preußisch-korrekten, filigrane Protokolle liebenden Juristen Hertz und des mittelständischen Berliner Unternehmens Gegenbauer mit einem flotten, nicht den Regeln der Funktionärsdiplomatie gehorchenden Mundwerk. Dem Vernehmen nach hat diese Annäherung der Temperamente zu einem freundschaftlichen Verhältnis geführt. Es gab viel zu lachen zum Abschied, und mit Hertz freuten sich über einen kurzweiligen Abend die ehemalige Bundesministerin Christine Bergmann , Hans-Eberhard Schleyer , Generalsekretär des deutschen Handwerks, einige Senatoren, Eberhard Diepgen , DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben und der ehemalige IHK-Präsident Horst Elfe . alf

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