• Berliner Ärzte belohnen sich selbst: Wer spart, bekommt einen Bonus Prämie für Verordnung von billigen Medikamenten

Berlin : Berliner Ärzte belohnen sich selbst: Wer spart, bekommt einen Bonus Prämie für Verordnung von billigen Medikamenten

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Die Berliner Kassenärzte wollen die Arzneimittelausgaben senken - auf eigene Rechnung. Dazu führt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) der Hauptstadt jetzt ein bundesweit einmaliges Bonussystem ein, mit dem die Mediziner ermutigt werden sollen, mehr preiswerte Medikamente zu verschreiben. Einmalig deshalb, weil die Mitglieder der KV den Bonustopf mit ihren eigenen Honoraren füllen. Jeder Kassenarzt, der Medikamente verschreibt, zahlt ein Prozent seines Umsatzes in den Prämientopf - das sind bei einer durchschnittlichen Praxis etwa 1000 Euro im Jahr. Diejenigen Mediziner, die die Kriterien für den Bonus erfüllt, erhalten aus diesem mit rund fünf Millionen Euro gefüllten Fonds eine Belohnung, die von der Zahl der Patienten der Praxis abhängt. Pro Arzt sind maximal 5000 Euro Prämie im Jahr möglich.

Grundlage des Bonussystems, das seit 1. Juli gilt, sind die so genannten Generika, das sind Medikamente, die die gleichen Wirkstoffe wie Markenpräparate enthalten, aber wesentlich billiger sind. Bisher verschreiben Berliner Ärzte in 78 von hundert Fällen, wo es möglich wäre, diese wirkstoffgleichen Alternativmittel. Um in den Genuss der Prämie zu kommen, muss der Arzt den Anteil auf mindestens 80 Prozent steigern.

Wenn diese Erhöhung um zwei Prozentpunkte für alle Berliner Ärzte gelänge, dann ersparte das den Kassen Arzneimittelkosten in Höhe von rund 15 Millionen Euro.

Mit dem Bonus wolle man auch den Mehraufwand der Ärzte abgelten, die die Patienten davon überzeugen müssen, dass ein Generikum genauso gut wirkt, wie das Markenpräparat. So eine Beratung könne leicht zehn Minuten dauern, sagt der Berliner KV-Chef Manfred Richter-Reichhelm. „Wir belohnen nicht die Ärzte, die nur billig verschreiben, sondern diejenigen, die da sparen, wo das möglich ist, ohne die Qualität der Behandlung zu gefährden.“ Ingo Bach

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