Berlin : Berliner Ärzte spendieren eine Operation

Tanja Buntrock

Vor wenigen Tagen hat Rasha al Amin zum ersten Mal in ihrem Leben die chlorluftgeschwängerte Halle eines Schwimmbades betreten. Zunächst war das 12-jährige Mädchen noch unsicher. Beim Volleyballspielen im Wasser kann sie nur mit dem rechten Arm schlagen. Ihr linker Arm ist versteift. Wie ein schiefer Winkel, durchzogen mit grellen Narben, hängt er an ihrem Körper und gehört doch nicht richtig zu ihr. Viel weiß das Mädchen aus Syrien nicht mehr von dem Unfall. Sie, damals acht Jahre, umklammerte ihren Onkel von hinten auf dem Motorrad, sie fuhren die holprige Straße ihres Heimatortes entlang, dann kam ein Auto... . Es krachte, das kleine Mädchen wird unter der Last des Motorrades zu Boden gepresst. Im Krankenhaus behandelten die Ärzte ihren Arm. Die Hand blieb steif; die Schmerzen halten bis heute an.

"Die syrischen Ärzte haben gesagt, dass der Arm amputiert werden muss, wenn die Schmerzen nicht aufhören", berichtet Magedy Mahmoud, Vorsitzender des Berliner "Vereins ausländischer Behinderter". Er hat über Bekannte der Familie von Rashas Schicksal erfahren. Am 22. Juli holte er sie mit Hilfe des Vereins nach Deutschland und nahm Kontakt zu den hiesigen Ärzten Kontakt auf. Mehrere Mediziner haben Rasha seitdem untersucht. Darunter auch Andreas Eisenschenk vom Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn. "Durch die schwere Quetschung im Arm ist ein Überdruck entstanden, dadurch wurden die Muskeln und Weichgelenke zerstört", diagnostiziert er. "Doch über eine Umverlagerung der Sehnen können die Funktionen im Arm wieder recht gut hergestellt werden." Am Montag wird Rasha ins UKB eingewiesen und operiert. Die Kosten für die Operation und den Krankenhausaufenthalt übernehmen die Ärzte der Klinik. "Das ist eine Ausnahme", sagt Eisenschenk, "das Kind hat jetzt so viele Untersuchungen hinter sich, es liegt uns einfach am Herzen."

Seit sie in Deutschland ist, lebt Rasha bei den Vereinsmitgliedern. Nur ab und zu kann sie mit ihren Eltern und den Geschwistern in der Heimat telefonieren. Der Vater macht Gelegenheitsarbeiten, die Mutter ist Hausfrau. Einen eigenen Telefonanschluss haben die Eltern nicht. "Ich rufe bei unseren Nachbarn an, die holen Mama oder Papa dann schnell", sagt Rasha. Doch wenn sie mit den anderen Kindern der Vereinsmitglieder zusammen ist, wird aus dem zarten, schüchternen Mädchen ein ganz normaler Teenager. Sie bummelt gerne durch Klamottengeschäfte und mag es, wenn die älteren Mädchen sie schminken. Doch jetzt, wo es kalt wird, fehlt das Geld für Winterkleidung. Trotzdem freut sich Rasha, den Schnee zu sehen - zum ersten Mal in ihrem Leben.

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