Berliner Aktion für Opfer im Gazastreifen : Apotheker bittet um Medizin für Kinder

Er kam mit 19 Jahren aus Gaza nach Berlin und ist längst Deutscher. Der Apotheker Yaser Alshrafi sammelt mit palästinensischen Ärzten für Kinder unter den Opfern.

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Yaser Alshrafi, Apotheker aus Spandau, bittet Bürger und Kliniken um Mithilfe dabei, schwerverletzte Kinder aus dem Gazastreifen zu retten. Helfer können Medikamente abgeben - und Krankenhäuser werden gebeten, Kinder gratis zu behandeln. Foto: privat
Yaser Alshrafi, Apotheker aus Spandau, bittet Bürger und Kliniken um Mithilfe dabei, schwerverletzte Kinder aus dem Gazastreifen...Foto: privat

Der Vater, seine vier Kinder und seine Frau haben einfach nur Glück gehabt. „Wir haben den Urlaub wegen der Arbeit verschoben, sonst wären wir mitten im Krieg“, sagt Yaser Alshrafi. Der 38-jährige Berliner, der mit 19 Jahren nach Deutschland kam und Pharmazie an der Freien Universität studierte, hat in seiner Apotheke in Spandau viel zu tun. Nicht allein, dass die vielen Stammkunden ihre Medikamente abholen. Yaser Alshrafi nimmt auch gerade Spenden an. Er bittet Privatleute aus Berlin und Brandenburg sowie Fachleute aus der Medizinbranche dringend etwa um Schmerzmittel, Antibiotika, Narkotika und OP-Zubehör. Und noch eine dringende Bitte hat der Palästinenser mit deutschem Pass: Es „ gibt so viele schrecklich verletzte Kinder und Babys, amputiert und verstümmelt, und es gibt keine Möglichkeit, sie im Gazastreifen zu behandeln. Ich flehe die Kliniken in Deutschland an, diesen Opfern gratis zu helfen. Es geht um die Menschlichkeit.“

"Zwei meiner Brüder im Koma"

Alshrafi hat schon während des letzten Krieges für die Zivilbevölkerung in Gaza gesammelt. Damals duckten er und seine Frau sich in Panik in abgeklebten Räumen, voller Furcht vor Phosphorbomben, die Israel erstmals im Gazastreifen einsetzte. „Jetzt liegen zwei meiner Brüder im Koma“, sagt er. Diese hätten im Hause seines Cousins zu Abend gegessen, als eine Rakete im Nachbarhaus eingeschlagen sei. Mit der Hamas habe er nichts zu tun, sagt der Apotheker, „mit Politik geht man verloren, es ist Humanität gefragt“.

40 000 Palästinenser in Berlin

Alshrafi ist einer von 40 000 Berlinern mit palästinensischen Wurzeln, die vor dem Satellitenfernseher sitzen, die sich über Facebook und Whatsapp furchtbare Bilder weiterleiten. Und er ist Vorstand der palästinensischen Ärzte- und Apothekervereinigung Berlin-Brandenburg. Der Gazastreifen, erzählt der Apotheker, sei so klein, die Menschen wüssten nicht, wohin.

Der Krieg sei furchtbar, seit Jahrzehnten mit unschuldigen Opfern auf beiden Seiten. Die palästinensischen Ärzte und Apotheker sammeln laut Yaser Alshrafi auch gemeinsam mit dem Orienthaus, einer palästinensischen Einrichtung in Moabit, in der sich Akamediker treffen und beispielsweise Seminare ausrichten.
Spenden kann man abgeben in der Zeppelin-Apotheke, Zeppelinstraße 36–37, Spandau, Tel. 372 86 32, Fax: 372 50 57. Weitere Apotheken, die Spenden annehmen, sind: Akazien-Apotheke Wedding, Hauptstraße 17, Mauritius-Apotheke Neukölln, Kottbusser Damm 86, Kaiserdamm-Apotheke Charlottenburg, Kaiserdamm 114, Lukas-Apotheke Kreuzberg, Wrangelstraße 78. Kontakt zur Palästinensischen Ärzte- und Apothekervereinigung Berlin-Brandenburg e.V. sowie Infos zum Spendenkonto und Kontakt für Kliniken über Apotheker Yaser Alshrafi, Telefon 0176 103 62 455. Spendenkonto: Palästinensische Ärzte- und Apothekervereinigung Berlin-Brandenburg e.V., Deutsche Apotheker- und Ärztebank: IBAN: DE 73300606010007752539, BIC: DAAEDEDDXXX

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