Berlin : Berliner allein zu Haus

Essen, putzen, flirten, reisen: Ein Führer durch die Single-Stadt

Annette Kögel

Berlin – Hauptstadt der Singles. In rund der Hälfte aller Wohnungen, so die aktuelle Statistik, ist der Berliner allein zu Haus. Nun ist nicht jeder allein lebende Mensch immer auch solo. Doch in keiner anderen Metropole sind so viele Leute auf der Suche nach einem Partner. Werfen wir einen Blick auf die Stadt der Einzelkämpfer.

Wie sich Singles stärken: Wer schon alleine Miete zahlt, will nicht auch noch die Hälfte des Kühlschrank-Inhalts entsorgen, weil alles wieder schlecht geworden ist. Da bietet Edeka an der Ecke zielgruppengerecht „Single-Erbsensuppe“ an, und auch die großen Supermärkte haben sich auf jene Kundschaft eingestellt, die zwei Scheiben Wurst und 50 Gramm Käse verlangt. Auch Reichelt: Hier liegen zunehmend Miniportionen in der Frischetheke. Konserven werden immer kleiner, und „beim Tiefkühlspinat wird die 150-Gramm-Packung gekauft wie verrückt“, weiß Sprecherin Hildegard Retzlaff. Außerdem immer öfter im Einkaufskorb: Produkte wie „1 Teller“ von Maggi.

Wie Singles Ordnung halten: Wenn einem niemand die Sachen hinterher trägt, fällt Ordnung halten schwer. Und wer arbeitet, hat erst recht keine Lust, am freien Tag Staub zu wischen. Davon profitieren die vielen privaten Reinigungskräfte, die Singles etwa in der „Zweiten Hand“ finden. Und die Wäschereien. 250 000 Oberhemden müssen jeden Tag in der Hauptstadt gebügelt werden, hat Rüdiger Wudtke von „McHemd Reinigung“ errechnet. In der Filiale Wilhelmstraße geben viele allein lebende Geschäftsleute ihre Hemden ab. „Manche haben eine Haushälterin, aber die bügelt manchem zu schlecht“, weiß Bärbel Wuttig aus Charlottenburg, Profi-Büglerin seit Jahrzehnten.

Wie sich Singles trösten können: Sie sind nicht allein auf der Welt und bleiben in der Regel auch nicht das ganze Leben ohne Pendant. Single-Berater und Autor Christian Thiel aus Pankow spürt gerade, dass sich bei Singles Frühlingsgefühle regen. „Anfang des Winters stand das Telefon still, aber seit Januar geht es wieder los“, sagt der 42-Jährige. Der Flirt-Profi hilft mit Tipps zum Kontakteknüpfen – auch übers Internet: www.singleberater.de lautet die Adresse.

Wie Singles erfolgreich baggern: Wer auf den spontanen Kennenlernkick etwa in der Schlange an der Kasse hofft, kann lange warten, meinen Experten. Deswegen: Raus aus dem Haus, unter Freunde, in den Verein – oder auf Parties. Die wohl bekannteste Kuppelfete „Fisch sucht Fahrrad“ vom Magazin Tip feiere dieses Jahr 10-jähriges Jubiläum, sagt Organisatorin Elke Hemmen. Gestern Abend stieg wieder eine Tanzparty mit Mainstream-Musik für Leute zwischen 30 und 50 im Metropol, die nächste gibt es am 14. März. Bis zu 1400 Karten werden jeweils verkauft – und selbst Mitarbeiter aus dem „FSF“-Team haben auf der Bagger-Fete schon Lebensabschnittsgefährten kennen gelernt.

Wie Singles sonst noch suchen: Über die „Single Adventure Tour“ des Magazins Zitty, per Internet (etwa www.friendscout24.de ), über Blind-Date-Dinner oder Flirten im Minutentakt beim Speed-Dating. Und auch ganz altmodisch, per Kontaktanzeige. „Der gute alte Chiffre-Brief läuft immer noch“, weiß Martin Ullmann von Zitty. Pro Ausgabe inserieren bis zu 300 Solo-Berliner. Auch ein Trend: Die verhältnismäßig neue Sex-Kennenlernrubrik „Harte Welle“ boomt.

Wie Singles der Einsamkeit entfliehen: Zum Beispiel mit „Gloria Single Reisen“ (Tel.: 27560615), seit nunmehr zehn Jahren im Geschäft. Damit Alleinreisende in Costa Rica oder auf Zypern nicht länger nur den Katzentisch zugewiesen bekommen.

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