• Berliner Alltagsprobleme - nachgehakt: "Shit Happens" – gegen Hundekot auf Berlins Straßen

Berliner Alltagsprobleme - nachgehakt : "Shit Happens" – gegen Hundekot auf Berlins Straßen

Sie sehen unappetitlich aus, riechen übel und übertragen im schlimmsten Fall Krankheiten: Die Rede ist von Hundehaufen. Die Initiative "Shit Happens" hat sich die Hundekotbeseitigung auf die Fahnen geschrieben.

Tina Zimmermann
"Haufen sucht Frauchen" - mit Slogans wie diesem wirbt die Aktion "Shit Happens" in Prenzlauer Berg für weniger Hundekot auf den Straßen Berlins.Alle Bilder anzeigen
Foto: Tina Zimmermann
12.09.2011 15:37"Haufen sucht Frauchen" - mit Slogans wie diesem wirbt die Aktion "Shit Happens" in Prenzlauer Berg für weniger Hundekot auf den...

In unserer Leserdebatte "Berliner Alltagsprobleme" belegte das Thema Hundekot Platz zwei - knapp hinter der Lärmbelästigung. Wir berichteten bereits über die Initiative "Stadt und Hund". Nun machten uns Leser auf die Aktion "Shit Happens" aufmerksam. Wir haben nachgehakt.

Mit viel Humor gegen Pfiffis Hinterlassenschaften - das ist das oberste Gebot, das sich Sandra Kaliga und ihre Crew von der Berliner Initiative „Shit Happens“ auf die Fahnen geschrieben haben. Das mit den Fahnen ist in diesem Fall nicht nur sprichwörtlich gemeint, denn:seit knapp zwei Jahren bestückt die 44-Jährige zusammen mit drei weiteren Mitarbeitern ehrenamtlich Hundekot mit Mini-Flaggen. Mit Slogans wie „Haufen sucht Herrchen“, „3…2…1…deins!“ oder „100 Gramm nur 1,99“ sollen Hundebesitzer in Prenzlauer Berg angeregt werden, den Kot ihrer lieben Vierbeiner einzutüten und ordentlich zu entsorgen. Obwohl der Spaß durchaus ein ernstes Anliegen hat, verdienen sie damit kein Geld.

4500 Fähnchen haben Sandra Kaliga und Kollegen seither gebastelt, gesteckt und verschenkt. Sogar nach Amerika und Japan haben sie die Mini-Wimpel schon verschickt. Gefragt sind die Fahnen, die im Internet bestellt werden können, nicht nur in den Großstädten, sondern auch auf dem Land. „Da gibt es keinen eindeutigen Trend“, so die Ur-Berlinerin.

Angefangen hatte alles im Frühjahr 2009. Weil Sandra Kaliga den Hundekot, der nach dem Winter zum Vorschein kam, nicht mehr mit ansehen konnte, hat sie sich eines Abends mit einem Bekannten zusammen gesetzt und überlegt, was sie dagegen unternehmen könne. „Eines war uns klar“, erinnert sich Kaliga, „die klassische Erziehung, das heißt den Zeigefinger zu erheben, würde nichts bringen.“ Zuerst wollten sie die Haufen mit Spraydosen besprühen, doch dann kam die Idee mit den Fähnchen. „Die Sprüche sind beim Brainstorming entstanden“, sagt die Frau, die als Programmiererin arbeitet. Seither haben sie viel Zuspruch bekommen.

So auch von Frank – seinen Nachnamen möchte er lieber nicht im Internet lesen. Witzig findet der 53-Jährige die Aktion allemal, denn schließlich liege in Berlin „eine Tretmine nach der anderen.“ Man könnte sogar ein Patent aus der Idee machen, schlägt der Frührentner euphorisch vor. „Allerdings“, so fügt er hinzu, „gegen Holland ist Berlin noch harmlos. Da war´s vor ein paar Jahren wirklich schlimm.“

Top-Five der Berlin-Nervereien
Berliner Alltagsproblem Nummer eins: 12849 von insgesamt 40122 Stimmen, also fast ein Drittel, entfielen in unserer Online-Umfrage im Oktober 2010 auf das Thema Lärmbelästigung.Alle Bilder anzeigen
1 von 5Foto: Kitty Kleist-Heinrich
18.02.2011 15:48Berliner Alltagsproblem Nummer eins: 12849 von insgesamt 40122 Stimmen, also fast ein Drittel, entfielen in unserer Online-Umfrage...

Auf der Erich-Weinert-Straße begegnet uns der Besitzer von Husky Ikarus –namentlich möchte der Hundefreund nicht genannt werden. Von der Fähnchen-Steck-Aktion hält er nichts. Schließlich bezahle er Hundesteuern. Übersetzt bedeutet das soviel wie: Andere sind dafür verantwortlich, Ikarus´ Hinterlassenschaften zu beseitigen. Doch dies ist der übliche Fehler, den viele Hundebesitzer machen. Hundesteuern wandern in den Topf der Städte und Gemeinden und sind in erster Linie da, um ordnungspolitische Ziele zu verfolgen. Wie zum Beispiel die Begrenzung der Hundehaltung. Der Besitzer von Ikarus zeigt auf ein nahe liegendes Rasenstück. „Da liegen ja auch überall Zigarettenstummel rum. Da sagt keiner was.“

Das Problem sei, so Sandra Kaliga, „dass die Leute nicht einsehen wollen, von ihrem Hund die Hinterlassenschaften wegzumachen.“ Etwaige Lösungsversuche sieht sie in einer höheren Strafe. Eine Strafe, die weh tut. „35 Euro sind lächerlich“, sagt sie. „300 bis 400 Euro müssten da schon her.“ Mit dem Bußgeld könnte man das zusätzliche Personal, das man zur Umsetzung braucht, auch bezahlen.

Labrador-Rotweiler Mischlingsdame Jacky erledigt ihr Geschäft nur vor Frauchens Kneipe in der Naugarder Straße. Die Besitzerin, die den Kot von Jacky selber beseitigt, findet die humorige Aktion von Sandra Kaliga und ihren Kompagnons völlig in Ordnung. Als besonders schlimm empfindet sie hingegen die Gleichgültigkeit von Hundebesitzern gegenüber anderen Leuten. Dennoch: eine höhere Strafe findet sie nicht sinnvoll. „Bevormundung ist Quatsch“, am Ende solle doch der Staat dafür aufkommen, so die Hundebesitzerin. Wie? „Durch das Aufhängen von Hundebaggies zum Beispiel.“

Das Problem haben Sandra Kaliga und ihr Team auch erkannt. „Bei uns gibt es nicht einen Beutelspender im Kiez“, so die 44-Jährige, die seit 16 Jahren in Prenzlauer Berg wohnt. So ein normaler Beutelspender – es gibt auch welche aus Edelstahl oder spezielle Wandhalter - kostet um die 90 Euro. In ihrem Fall hofft Sandra Kaliga, dass die Hausverwaltung baldigst ein paar Hundebaggies sponsert.

Am Ende ginge es nur, wenn Hausverwaltungen, Bezirk und Senat Hand in Hand arbeiten, so Kaliga. Die Hausverwaltungen müssten für mehr Beutelspender sorgen, der Senat die Strafen erhöhen und der Bezirk das Vorgehen überwachen.

Viele Leser hatten außerdem gefragt, ob es denn nicht möglich wäre, DNA-Analysen für Hunde und ihr Häufchen durchzuführen? Das findet Sandra Kaliga für Berlin überdimensioniert. „Ich bin gegen Datenspeicherung, auch wenn es um den Hund geht.“ Auch sei sich die Initiatorin von „Shit Happens“ nicht sicher, ob sich Berlin das leisten könne. „Aber das wäre kein schlechtes Wahlthema“, sagt sie.

In naher Zukunft will die Initiative einen Verein gründen und berlinweit agieren. Das Konzept sieht vor, dass BürgerInnen, Gewerbetreibende, Wohnbaugesellschaften, Bezirke und der Senat gemeinsam Lösungsvorschläge erarbeiten.

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