Berliner Ansichten : Alles Bluff

Christian van Lessen sieht zwischen Politik und Poker viel Gemeinsames.

Ein wahres Pokerface hatte der Regierende Bürgermeister aufgesetzt, als es vor paar Wochen um die Nachfolge des Finanzsenators ging. Klaus Wowereit ließ sich nicht in die Karten blicken, schaltete auf stur. Auch Thilo Sarrazin, um dessen Nachfolge es ging, gefiel sich oft genug mit jenem emotionslosen Gesichtsausdruck, der nicht verriet, was in seinem Kopf vor sich ging. So eine Miene ohne Spiel sagt dem Betrachter nichts über den Stand der Dinge, nichts über Wohl und Weh – und löst sich bestenfalls in stillem Lächeln auf, wenn sich das Spiel gelohnt hat. Ein Pokerface verpflichtet geradezu zum Bluffen. Berlin, finanziell eher glücklos, kann sich nun über eine Poker-Europameisterin freuen, die sich erwiesenermaßen im trickreichen Handwerk auskennt und versteht, es zu viel Geld zu machen. Eigentlich ein heimisches Talent, das die Stadt nutzen müsste, das in die Politik, in den Senat gehört. Irgendwie schade, dass für Thilo Sarrazin schon ein Nachfolger gefunden ist.

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