Berliner Ansichten : Andreas Conrad verzweifelt über dem Berliner Umgangston

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Wer echter Berliner werden will, lerne zuallererst, einen Fremden anzurempeln und zu rufen: „Pass besser uff, Mann!“ Der große Theodor Fontane, Wahl-Berliner aus Neuruppin, soll diesen Rat gegeben haben, worüber die Erfinder der aktuellen Freundlichkeitsoffensive für die Bewohner dieser Stadt sich nur die Haare raufen können. Es ist nicht die erste, davor hatte man es mit solch einer Aktion im Vorfeld der Fußball-WM 2006 versucht. „Die Welt zu Gast bei Freunden“ – die nötige Freundlichkeit musste man den Berlinern erst mal einbläuen. „Verwegener Menschenschlag ... mitunter etwas grob“ – so hatte schon Goethe 1823 die Berliner charakterisiert. Und auch E.T.A. Hoffmann beklagte das ursprüngliche Wesen des Berliners als „roh und brutal“, jedenfalls vor dem Einmarsch der Franzosen unter Napoleon, durch den das Volk überraschenderweise an „äußerer Sittlichkeit“ gewonnen habe. Einen nachhaltigen Erfolg hatte all dies nicht, denn auch 200 Jahre später ist Freundlichkeit offenbar Mangelware. Kurzum: Das nette Berlin – historisch ein hoffnungsloser Fall.

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