Berliner Ansichten : Berliner Tempo

Werner van Bebber schätzt die Berliner Tugend ganz besonders im Parlament

Für unsere Volksvertreter sollte das Beste gut genug sein. Deshalb durfte der Umbau des Preußischen Landtags zum Abgeordnetenhaus 1993 mit 160 Millionen Mark viermal mehr kosten als angesetzt. Und deshalb war es nötig, jetzt die sensible technische Anlage zu ersetzen. Zu oft hatten Abgeordnete wegweisende Reden unterbrechen müssen, weil die Anlage versagte. Doch die Sommerpause war offenbar nicht lang genug. Nach gerade 50 Minuten der ersten Sitzung der Herbst-Session fiel die neue Technik aus. Parlamentspräsident Walter Momper unterbrach die Fragestunde für drei Minuten. Momper hat mit Polit-Havarien Erfahrung. Viele Male bestritt er mit Abgeordneten Dialoge wie „Herr Kollege, Sie haben das Wort und auch das Mikrofon!“ – ... „Ne, Sie müssen erst drücken!“ – ... – „Ne, den Knopf drücken! Sooo, jetzt ... Ne, immer noch nicht ... Jetzt? Jetzt aber!“

Man mag sich kaum vorstellen, welches verschärfte Regierungstempo in Berlin mit einer technisch einwandfreien Anlage möglich wäre. Stattdessen muss Momper nun wieder um Geduld bitten. Die haben die Berliner wirklich, Gelassenheit gibt es in der Stadt zum Glück genug.

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