Berliner Ansichten : Dudel-Automaten und der Niedergang der Kieze

Stefan Jacobs ist auf der Suche nach steuerfreiem Vergnügen.

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Ein knappes Jahr vor der Wahl müsste der Senat allmählich die Brot-und-Spiele-Phase einläuten, damit die Stimmung bis zum Termin besser wird als die Lage. Eine Einladung zum großen Bratwurstfest im Tempelhofer Park wäre das Gebot der Stunde. Oder die Installation öffentlicher Heißwasserhähne als Versöhnungsgeste der hoch profitablen Wasserbetriebe plus Bioorangenteebeutelspender von der BSR, die dann „Teelitter“ oder sonstwie lustig benannt werden. Doch was passiert stattdessen? Der Senat erhöht die Vergnügungssteuer, von elf auf 20 Prozent. Schönen Dank, ihr Spaßbremsen, sagt mancher und will sich empört abwenden. Die Frage ist nur: Wohin? Im Vergleich zu Klaus Wowereit sieht Renate Künast ja erst recht nicht aus wie eine, die die Vergnügungssteuerschraube wieder lockern würde. Worauf wird überhaupt Vergnügungssteuer erhoben? Anders als der Name vermuten lässt, wird sie weder für Besuche bei der Kfz-Zulassungsstelle noch für Fahrten mit der S-Bahn fällig, sondern gilt für die Einkünfte aus Spielhöllen. Also für jene scheppernden und dudelnden Automaten, die sich vermehren wie Obstfliegen und dabei stets den Niedergang eines Kiezes ankündigen. Insofern könnte die Steuererhöhung sogar die Lage mancherorts verbessern. Nur um die Stimmung muss sich Wowereit noch kümmern.

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