Berliner Ansichten : Einig Cola-Land

Dieses Fest wird Ihnen präsentiert von ... Coca Cola. Lothar Heinke wundert sich, wie der Jahrestag der Einheit gefeiert wird.

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Seht, Großes wird vollbracht – das Volk feiert sich und sein zwanzigjähriges Leben einträchtig in Einheit. Es strömt in Erwartung von Spreewälder Gurken, Thüringer Brat- und Berliner Currywurst, chinesischer Pfannen und anderer Delikatessen sowie fröhlicher Musikantenstadeleien zum Brandenburger Tor. Wer unser teures Symbol der Einheit vom Pariser Platz aus betreten möchte, der sieht sich von übermannshohen, hässlichen Planen gestoppt, darauf gedruckt sind a) der Name eines Erfrischungsgetränks und b) einer Berliner Biersorte. Verschämt verschwindet das Tor hinter dieser Aufforderung zum Trank. Auf der anderen Seite verdeckt eine Bühne das heilige Tor, daneben wartet eine Batterie Toiletten auf ihre Besetzung. Und über dem nördlichen Eingang zur Volksbelustigung stehen die Worte: „Coca Cola präsentiert das Fest zum Tag der Deutschen Einheit“. So ist das also. Nicht die Regierung oder der Senat (der sich vermutlich nicht mit Lappalien wie der Präsentation einer solchen Fete abgibt), weder das Volk noch die Bürgerrechtler präsentieren das Fest. Nein, Cokes Kohle macht’s möglich. Sind wir dafür auf die Straße gegangen?

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