Berliner Ansichten : Links oder links

Andreas Conrad macht die Eroberung Tempelhofs keine große Angst.

Laut Marx, der damit Hegel präzisierte, finden alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen zweimal statt: als Tragödie und als Farce. Ein freilich zur Analyse der Wirklichkeit nur bedingt tauglicher Gedanke, denn wer will in einem konkreten Doppelereignis entscheiden, was nun die Tragödie ist und was die Farce: die überraschende Besetzung des Lenné-Dreiecks im Frühjahr 1988 oder die vorsorglich angekündigte Besetzung des Flughafengeländes Tempelhof 21 Jahre später. Ja, je nach Gesinnung könnte man gehalten sein, beide Ereignisse gleichzusetzen, als tragische oder vielleicht doch eher farcenhafte Varianten politischer Naivität. Wie auch immer, der aktuelle Fall lehrt zumindest, dass linksautonom nicht gleich linksautonom ist. So wie es, in zahllosen Kriminalfilmen und sicher auch in der Wirklichkeit, das erprobte Doppel „Guter Bulle – böser Bulle“ gibt, existiert neben dem zündelnden, Steine werfenden Kiezrevolutionär offenbar auch ein kultivierter Typ, der seine Aktionen rechtzeitig bekannt macht, diese mehr als sportliche Übungen darstellt und sich vorsorglich von Typ 1 höflich distanziert.

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