Berliner Ansichten : Schritt für Schritt

Tagesspiegel-Umzug und deutsche Einheit: Gerd Nowakowski, Leiter unserer Berlin-Redaktion, erlaubt sich einen nicht ganz angemessenen Vergleich.

Gerd Nowakowski

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – ja, das wissen nun auch die Tagesspiegel-Redakteure. Die produzierten am Einheitsfest zum ersten Mal am neuen Standort am Askanischen Platz, mitten drin in der Stadt, zwischen Potsdamer Platz, dem Berliner Abgeordnetenhaus, Gropius-Bau und dem Portikus des Anhalter Bahnhofs.

Am allerersten Tag fühlte sich das noch sehr fremd an; so wie die Deutsche Einheit sich vor 20 Jahren für die Menschen anfühlte, wenn dieser nicht ganz angemessene Vergleich ausnahmsweise erlaubt ist. 20 Jahre danach erinnerten die beiden Riesen daran, welch riesige Leistung diese Republik, aber vor allem diese so lange geteilte Stadt bewältigt hat.

Sich näherzukommen war häufig nicht so einfach, wie die kleine Riesin mit ihren anrührenden Gesten und ihrem Lächeln glauben machen konnte; in den vergangenen 20 Jahren haben beide Seiten sehr viele Fremdheiten, Missverständnisse und Vorwürfe erfahren. Niemand hätte damals gedacht, dass es 2009 immer noch Einheitsschmerzen geben würde – das alte Wunden noch spürbar sind und auch neue Verletzungen aufbrechen. Beim Happy End wie bei den Reisenden, die sich am Brandenburger Tor in die Arme fallen, sind wir im realen Leben jedenfalls noch nicht angelangt. Dabei sind sich auch die Berliner 1989 in die Arme gefallen.

Wäre gut, sich ab und zu daran zu erinnern, wenn mal wieder in Berlin und anderswo in Deutschland das beiderseitige Unverständnis aufeinanderprallt. Damit trotz aller Mühen des Alltags der Zauber des Beginns nicht in Vergessenheit gerät: Die Einheit ist ein langer Weg, und die Schritte müssen stets bedacht werden – ebenso behutsam, wie die Riesen ihre riesigen Füße auf den Berliner Asphalt setzten.

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