Berliner Ansichten : Unter Niveau

Bernd Matthies über Sinn und Zweck der rituellen Radlerkontrollen

Wer den Radverkehr kontrolliert und womöglich sogar das Fehlverhalten von Radfahrern kritisiert, der muss auf empörte Gegenreaktionen nicht lange warten. In aller Regel laufen sie darauf hinaus, dass dieses Fehlverhalten zu Unrecht angeprangert werde, weil es doch nichts bedeute angesichts soundsovieler im Verkehr getöteter Radler – so, als liege die Schuld daran automatisch beim Autofahrer.

Die Polizei sieht das sachlich und deshalb anders. Und sie kontrolliert, das ist ihre Aufgabe. Dennoch sind diese Kontrollen eher ein Ritual als ein Gegenmittel. Denn das unweigerlich von der Polizei onkelhaft offerierte „verkehrserzieherische Gespräch“ geht ins Leere. Keiner, der ohne Licht fährt, tut dies aus Unwissenheit, kein Fixie-Fahrer gibt sich der Illusion hin, auf einem legalen Gefährt zu sitzen. Es läuft auf einen Deal wie beim Schwarzfahren hinaus: Ihr macht, was ihr wollt, aber es kostet ab und zu Strafe.

Damit könnte Ruhe sein. Die Stellungnahme des ADFC mit der Botschaft, die Polizei solle lieber die Autofahrer kontrollieren, klingt deshalb schrill: Immer den anderen die Schuld zu geben, das ist einfach unter Vereinsniveau (Seite 11).

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