Berliner Ansichten : Yeah!

Bernd Matthies über einen neuen Trend im ausgehenden Wahlkampf

Wenn die Lemminge Internet-Anschluss hätten, würden sie sich per Blog zum Untergehen verabreden und das Ganze „Flashmob“ nennen. Das wäre viel effektiver, als einfach dem Instinkt zu folgen. Instinkt gibt es auch beim Menschen. Und er müsste ihm sagen: Es ist eigentlich ziemlich dusselig, die Wahlveranstaltung eines Politikers zu besuchen, den man nicht mag, und ihn auch noch frenetisch zu bejubeln.

Aber jene, die da heute Angela Merkel in Berlin mit lautem „Yeah“ anfeuern werden, wie sie es schon in Hamburg und anderswo getan haben, sind eben ein Flashmob, und für den gelten andere Regeln. Flashmobs sind immer irgendwie kritisch, sind neuerdings sogar eine vom Bundesarbeitsgericht höchstrichterlich abgesegnete Protestform.

Die Rede Angela Merkels wird darunter leiden. Aber dennoch ist das „Yeah!“ im Vergleich zum Barrikadenbauen und Steinewerfen ein zivilisatorischer Fortschritt, sogar für uns Lemminge.

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