• "Berliner Auktionshaus für Geschichte": "Rein wissenschaftlich": Militaria aus der Nazizeit

Berlin : "Berliner Auktionshaus für Geschichte": "Rein wissenschaftlich": Militaria aus der Nazizeit

Katrin Gehrke

Der 37-jährige Inhaber des "Berliner Auktionhauses für Geschichte" in Schöneberg muss sich seit gestern wegen Verbreitens von Nazi-Propaganda vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten. Das Auktionshaus war mehrfach in die Schlagzeilen geraten. Unter anderem 1998, als es gebrauchte Kleidung aus Konzentrationslagern anbot. Als "makaber" und "unerträgliches Maß an Zynismus" bezeichnete das die jüdische Gemeinde. Eine Straftat konnte die Justiz damals allerdings nicht feststellen. Das Auktionshaus blieb aber im Visier der Ermittler.

Sei 1996 ist Jens W., bis vor drei Wochen allerdings unter einem anderen Namen, Inhaber des Auktionshauses. Alle zehn Wochen veranstaltet er eine der umstrittenen Versteigerungen, bei denen jeweils zahlreiche Objekte aus der Nazi-Zeit unter den Hammer kommen. Im Prozess geht es nun unter anderem um die 32. Versteigerung im Sommer vergangenen Jahres. Über das Internet soll W. in einem Katalog eine persönliche Standarte von Adolf Hitler mit Hakenkreuz und Fahnen mit SS-Runen vorgestellt haben. Darüber hinaus wurden in seinen Geschäftsräumen Nazi-Orden und Verdienstkreuze gefunden, die er aus Sicht der Anklage kommerziell verkaufen wollte.

Der Angeklagte aber wusch am ersten Verhandlungstag seine Hände in Unschuld. Zitat: "Ich mache keine Propaganda", sagte der Mann in dicker, brauner Lederjacke und mit Bürstenhaarschnitt. Sein Auktionshaus versteigere Militaria aus verschiedensten Zeiten - "rein wissenschaftlich und sachlich". Er beliefere vorwiegend Museen, darunter das Holocaust-Museum in Washington.

Zwar kämen auch Privatsammler zu ihm, die aber seien "seriös", meinte der Angeklagte und ergänzte: "Leute mit Glatzen und Springerstiefeln finden Sie bei uns nicht". Der Staatsanwalt hielt W. vor: "Sie bieten auch Reproduktionen an, darin sehe ich keinen wissenschaftlichen Sinn.". Der Angeklagte hatte Erklärungen parat: Die Reproduktionen seien zur "Ergänzung von Sammlungen" oder für ihn selbst als Privatsammler gedacht gewesen. Er nämlich habe jede Menge Büsten, Gemälde oder Abzeichen "von Cäsar bis Honecker" zu Hause.

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Zum Vorwurf der Nazipropaganda übers Internet äußerte sich W. am ersten Prozesstag noch nicht. Nach dem Gesetz dürfen Objekte aus der NS-Zeit nur versteigert werden, wenn sie der Käufer zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet. Am 6. April wird die Verhandlung fortgesetzt.

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