Berlin : Berliner Ausländerbehörde: Eindrücke aus dem Amt am Friedrich-Krause-Ufer

Amory Burchard

Dieser kalte Ton der Nichtakzeptanz. Da stimme etwas nicht mit der Berliner Ausländerbehörde, sagt Oliver Schmolke. Der Politikwissenschaftler ist seit März mit einer Ägypterin verheiratet. Ein junges, glückliches Paar, eine "binationale Ehe" mit Hindernissen. Nach mehreren Besuchen auf dem Amt setzten sich kleine Eindrücke zu einem unschönen Bild zusammen. Das Problem sei das Misstrauen und die Feindseligkeit im Detail. "Da muss niemand geschlagen oder offen diskriminiert werden."

Schmolkes sind keine Nörgler. Sie halten sich sogar für privilegiert. Aber sie wissen, dass sie nicht allein sind. Wenn sie mit anderen deutsch-ausländischen Paaren zusammentreffen, sind die Zustände auf dem Ausländeramt immer wieder ein Thema. Und die Frage: Wenn wir schon so behandelt werden, wie ergeht es dann erst den Nichtprivilegierten? Nach der Hochzeit in Kairo musste Bassant Schmolke bei der deutschen Botschaft in Kairo eine "Familienzusammenführung" beantragen. Im ersten Brief, den Oliver Schmolke dann vom Berliner Amt bekam, hieß es sinngemäß: "Frau H. (der Mädchenname) gibt an, mit Ihnen die Ehe eingegangen zu sein. Wenn Sie sich innerhalb von sechs Wochen nicht bei uns melden, gehen wir davon aus, dass Sie an einer Einreise nicht interessiert sind." Oliver und Bassant Schmolke waren empört. Mit dieser Wortwahl werde ihrer Ehe Illegitimität unterstellt. Der Ort, an den sie mehrfach bestellt wurden, habe den Eindruck verstärkt, dass Berlin sich schwer tut mit der Rolle als internationale Stadt, sagen sie.

Auf den Spuren von 434 000 Menschen, die mit ausländischen Pässen aus 184 Staaten in Berlin leben, wie jetzt das Statistische Landesamt mitteilte: Die Ausländerbehörde am Friedrich-Krause-Ufer in Wedding. Metallene Absperrgitter weisen den Weg zum Altbau. Treppen mit abgegriffenen Geländern führen in die Etagen mit den Wartesälen. Schmutzig und abgewohnt wirkt das Interieur. Die Wände sind einen Meter hoch mit Fußabdrücken und undefinierbaren Spritzern bedeckt. Auf der Damentoilette gibt es keinen Seifenspender. Details, von denen sich nicht nur Schmolkes abgestoßen fühlen. Ein Mann, der mit Frau und Kind schon drei Stunden wartet, fragt: Wieso wird hier nicht einmal ordentlich sauber gemacht? Berlin startet eine Imagekampagne nach der anderen, aber die erste Anlaufstation für Ausländer ist ein solches Loch.

Der stellvertretende Abteilungsleiter der Ausländerbehörde versteht, dass sich Paare, die aus lauteren Absichten eine Ehe eingehen, düpiert fühlen. Gerd Matznick wünscht sich schon lange eine Grundrenovierung des Hauses. Aber bei dem Massengeschäft könne die Behörde weder ihre Schreiben individuell gestalten noch sei die Abnutzung durch den Publikumsverkehr zu verhindern. Matznick bittet binationale Paare wie die Schmolkes, dem Text des Schreibens "nicht so große Bedeutung beizumessen". Es gebe eben Fälle, in denen beispielsweise türkische Mädchen gegen ihren Willen verheiratet würden. Die könnten dann noch Nein sagen, wenn der von ihnen ungeliebte Mann die Familienzusammenführung beantrage.

Für die überfällige Renovierung sei kein Geld da. Die bessere Steuerung des Publikums sei ohnehin vorrangig. Matznick und sein Chef haben im Frühjahr Landesmittel für eine neue Informationszentrale beantragt: Ein EDV-gestütztes Bestellsystem soll die langen Wartezeit erheblich verkürzen. Dann würden auch die Räume weniger beansprucht. "Unsere Kundschaft verhält sich ja auch anders als die Kundschaft einer Bank", gibt Matznick zu bedenken. Er persönlich würde nie auf die Idee kommen, sich mit dem Fuß an einer Wand abzustützen.

Schmolkes überzeugen die Erklärungen des Amtsleiters nicht. Es sei ja nicht nur der Ton des Briefes, sondern auch der der Sachbearbeiterin. Bevor Bassant Schmolke eine Aufenthaltsgenehmigung bekam, hatten die beiden noch einen Termin. Mitzubringen war ein Formular mit Auskünften über die gemeinsame Wohnung und das Einkommen des Mannes. Unterschrieben legten Schmolkes das Blatt vor. "Wieso haben Sie hier unterschrieben", habe die Sachbearbeiterin "im Kasernenton" gefragt. Die Unterschrift sei in ihrer Gegenwart zu leisten. Warum, lautete die Gegenfrage, ist das nicht auf dem Formular vermerkt? Wieder ein Mosaiksteinchen, dass die Schmolkes nicht für Zufall halten wollen.

Ein weiteres Beispiel: "Dieser Fotokopierer ist für Sie hier aufgestellt worden!!! Wenn er kaputt ist, wird er Ihnen nichts mehr nützen", appelliert eine Aufschrift. An diesem Kopierer hat Schmolke lange zugebracht. Es ist das einzige öffentlich zugängliche Gerät in der Abteilung für Ausländerangelegenheiten. Eine Kopie kostet 50 Pfennig. Es gibt Tage, an denen sich eine lange Schlange bildet.

Als Schmolke endlich dran war, war das überbeanspruchte Gerät kaputt. Der Pass musste trotzdem kopiert werden. Schmolkes Sachbearbeiterin hat einen Dienstkopierer in ihrem Zimmer. Schmolkes Frage, ob er netterweise ..., beantwortete die Frau mit einem knappen Nein.

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