Berlin : Berliner Bäder: Keine Bewerber für Privatisierung

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Für die Privatisierung der acht von Schließung bedrohten Frei- und Sommerbäder scheint es mit Ausnahme Tegels keine qualifizierten Bewerber zu geben. An diesem Wochenende endet die Ausschreibungsfrist. Die Zeit drängt, in einem Monat beginnt bereits die Freiluftsaison.

Am 21. März hatten Sportsenator Klaus Böger und Bäder-Vorstand Ortwin Scholz beschlossen, nach Wegen zu suchen, um die Anlagen während der Sommermonate privaten Betreibern zu überlassen. Interessenten, die auch bereit sind, sich finanziell und personell zu engagieren, haben sich jedoch für sieben der acht Standorte nicht gemeldet, verlautet aus den Bäder-Betrieben. In Tegel hat der Pächter der Gastronomie angeboten, den Betrieb des gesamten Strandbades zu übernehmen.

Im Namen des Bezirksamtes habe sie sich bei den Bäderbetrieben "mit Nachdruck" gegen eine Schließung des Naturbades ausgesprochen, sagte Bürgermeisterin Marlies Wanjura (CDU) in der Bezirksverordnetenversammlung. Auch SPD und Grüne forderten die Bewirtschaftung durch den Bezirk selbst oder einen freien Träger. Alternativ soll die Anlage in eine freie Badestelle umgewandelt werden. Wanjura kritisierte, dass die Bezirke an der Entscheidung, welche Bäder geschlossen werden sollen, nicht beteiligt wurden. Sie habe bei Ortwin Scholz um einen Gesprächstermin gebeten.

Der Restaurant-Pächter habe angeboten, alle Kosten und Sicherungsmaßnahmen zu übernehmen. Werde das Bad nicht geöffnet, würden die Reinickendorfer mit ihren Füßen entscheiden und den Zaun niedertrampeln, vermutet die Rathaus-Chefin. Schon heute glaubten viele Kunden, auch das Restaurant sei geschlossen, sagt Pächter Richard Grunke. Wegen der drohenden Nichtöffnung des Bades gebe es viele Unmutsäußerungen.

Die Stammgäste hatten sich in der Vergangenheit schon mit der Einstellung der Ausflugs-Buslinie der BVG abfinden müssen. Seitdem ist das Strandbad nur nach längerem Fußweg oder mit dem Pkw erreichbar, wobei die Parkplätze an schönen Tagen bei weitem nicht ausreichen. Grunke ist bereit, das Traditionsbad mit eigenem Personal zu betreiben. Zu Details könne er sich erst äußern, wenn er die konkreten Vergabebedingungen kenne, sagt der Gastwirt. Er hoffe in der nächsten Woche auf eine Antwort der Bäder-Betriebe. Deren Sprecher Manfred Radermacher verweist auf offene Rechtsfragen. Solange die Berliner Bäder-Betriebe Eigentümer sind, obliegt ihnen auch die Haftung bei möglichen Unfällen. Für eine komplette Privatisierung seien Gesetzesänderungen nötig. Lösungen müssten an übergeordneter Stelle gefunden werden.

Zumindest im Fall Tegel hofft Radermacher, dass es nach Ostern "zu einer für beide Seiten vernünftigen Lösung" kommt. Wesentlich unsicherer ist dagegen die Zukunft der Freibäder Friedrichshagen, Grünau, Halensee, Jungfernheide und Wendenschloss, des Sommerbades Humboldthain und des Marzahner Kinderbades "Platsch". Die Resonanz auf die Ausschreibung war "nicht so stark wie erwartet", sagt Manfred Radermacher. Wie verlautet, gibt es für keinen dieser Standorte einen ernsthaften Bewerber. An Kandidaten, die in ein paar Sommermonaten eine schnelle Mark machen wollten, sei man nicht interessiert.

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